Unsere Deutsche Wurzeln - Our German Roots
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FESTSCHRIFT ZUR GENERAL-KIRCHENVISITATION 1928:

Teil 1. Begrüßungsschreiben, Das Evangelium im Strehlener Lande, Das Gemeinschaftsfest auf dem Rummelsberge.
Teil 2. Arnsdorf, Crummendorf, Eisenberg, Friedersdorf, Großburg, Hussinetz,
Teil 3. Lorenzberg/ Jäschkittel, Markt-Bohrau, Nieder-Rosen, Olbendorf, Prieborn, Riegersdorf,
Teil 4. Ruppersdorf, Schönbrunn, Schreibendorf, Steinkirche, Strehlen, Türpitz.

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Die evangelischen Kirchgemeinden des Strehlener Kreises.

Kirchspiel/Parish Kreis Strehlen: Baumgarten, Birkkretscham, Deutsch Lauden, Großburg, Jelline (Hirschwaldau), Jexau, Klein Lauden, Krentsch (Lindenbrunn), Kurtsch, Michelwitz, Neidchen, Plohe, Schweinbraten, Wäldchen
Grossburg Kreis Ohlau: Dammelwitz, Eulendorf, Graduschwitz (Grasau), Haltauf, Kochern, Kontschwitz (Hohenlinde), Raduschkowitz (Freudenfeld)

Großburg.

Von P. prim. Schilling.

Großburg, ehemals Boreck, Bork genannt, eine Schenkung Herzog Heinrichs des Bärtigen an das Kloster Lebus in Brandenburg in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts, hat diese Zugehörigkeit zu Brandenburg bewahrt und bildete mit den dazu gehörigen vier Dörfern eine brandenburgische Enklave in Schlesien.

Seine Kirche (Laurentius-Kirche) ist uralt, wahrscheinlich schon bei der Schenkung vorhanden und ist im Laufe der Jahrhunderte verschiedentlich ausgebaut worden Altarplatz und Schiff bis zur Kanzel bilden die ursprüngliche Form der selben. 1600 wurde dies kleine Schiff verlängert und der Turm erbaut, 1700 das südliche und nördliche Kreuz mit zwei Choren erbaut, weil das Gotteshaus nach Wegnahme der evangelischen Kirchen Zufluchtskirche geworden war. Die letzte durchgreifende Renovation erfuhr sie 1912—13. Dabei ward die große und die kleine Halle an der Südseite von Grund aus neu gebaut und die kleine Halle an der Nordseite angebaut. Die Kosten, vom Patronat der Gemeinde anteilig getragen, betrugen rund 74 000 Mark, dafür besitzt die Gemeinde eine der schönsten Dorfkirchen weit und breit an ihr.

Evangelisch ward die Kirche mit der Einführung der Reformation in Brandenburg, wenn auch die Beziehungen zu dem nahen Breslau und Strehlen bei dem damaligen Probst Johann Biener nicht ohne Wirkung blieben und dessen Übertritt und Verehelichung 1537 veranlaßten. Bei der Durchführung der Gegenreformation in Schlesien ist sie auch von dem Schicksal der Reduktion betroffen worden, vom Großen Kurfürsten aber zwei Mal, durch den Gutsherrn von Canitz zuerst und den Oberstleutnant von Marwitz zum andern Mal unter dem Geleit von vier Soldaten aus Cüstrin, dem evangelischen Gottesdienst wiedergegeben worden. Gleichzeitig ward ein kurfürstliches Patent im Dorfe angeschlagen, worin die Bewohner aufgefordert wurden, in Glaubenssachen allein ihm, als ihrem Landesherrn, zu gehorchen und unbeirrt bei der Übung des evangelischen Gottesdienstes nach Augsburgischer Konfession zu verbleiben. 1705 ward wegen der vielen sich zu Großburg haltenden Gastgemeinden — die ganze heutige evangelische Kirchgemeinde Bohrau und andere Landgemeinden kamen zum Gottesdienst und zu allen Amtshandlungen—, ein zweiter geistlicher angestellt, der auch heute noch bei Einrichtung getrennter Seelsorgebezirke und über 2000 auf jeden Geistlichen entfallenden Seelen vollkommen Arbeit hat, zumal der derzeitige Inhaber der 2. Stelle auch die Verwaltung des Pfarramtes hat.

Die Kriegsjahre des Weltkrieges von 1914—18 drohten, sich verheerend auch an dem Hab und Gut der Kirchgemeinde auszuwirken, da zwei Glocken, die Turmhelmbedachung und die Kupferkehlen des Daches sowie die Prospektpfeifen der Orgel—erst 1912 letztere beiden Stücke neu beschafft - abgeliefert werden sollten. Doch kann es nur zur Ablieferung der beiden großen Glocken, für deren Neubeschaffung die Grundbesitzer der Gemeinde durch Ausgleich des Preises in Roggen- und Haferlieferung freundlichst eintraten. Ihren im Kriege gefallenen Helden — es sind 162 — hat die Kirchgemeinde auf Anregung unter Mithilfe des Krieger-Vereins ein bleibendes Denkmal gesetzt durch Umgestaltung des um die Kirche liegenden Platzes, des alten Friedhofes, zu einem Ehrenfriedhof für die Gefallenen. Jede Gemeinde hat ihr eigenes Denkmal mit den Namen der Gefallenen. So hat auch die Kirche eine würde- und weihevolle Umgebung erhalten.

Der Umbau und die Erneuerung der Kirche bedingte 1911 die Schaffung eines gottesdienstlichen Raumes, der durch Herrichtung von Bansen und Scheunentenne der Pfarrscheuer als sogenannter Gemeindesaal hergestellt wurde, für Gemeindeversammlungen aber doch nicht ausreichend ist; nach einer Erneuerung der Dielen und Wände aber der Pflege der konfirmierten Jugend dienen soll, welcher sich Pastor Neitsch widmet. Außer den sonntäglichen Gottesdiensten werden Schulzimmer oder Gasthaussäle zu Bibel-, Gustav-Adolf- und Missionsstunden benutzt auf den Außendörfern der Parochie. Sie setzt sich aus 21 Dörfern zusammen. Davon liegen im Strehlener Kreise Großburg, Jelline, Schweinbraten, Jexau, Plohe, Birkkretscham, Baumgarten, Michelwitz und Klein-Lauden. Dem Ohlauer Kreise gehören an: Kontschwitz, Raduschkowitz, Kochern Haltauf, Dammelwitz, Eulendorf und Graduschwitz. Die Seelenzahl nach der letzen Volkszählung betrug 4077. In der Parochie bilden die Katholiken etwa ein Viertel der Seelenzahl der Evangelischen. Deutsch-Lauden hat eine eigene katholische Kirche, welche von Markt-Bohrau versorgt wird. Auch sie war mit der Großburger Kirche evangelisch geworden, zunächst unter einem Pfarramt, hat aber dann eine Reihe eigener Geistlichen gehabt bis 1652, wo sie wieder katholisch wurde. Geistliche: P. prim. Schilling, am Orte seit November 1901 und Pfarrer Neitsch am Ort seit Februar 1913.

Vereine: Jungmädchenverein, Kirchenchor.

Großburg, evangelische Kirche

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