Unsere Deutsche Wurzeln - Our German Roots
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HEIMATBUCH DUNESDORF: [Einleitung ] [Gemeinde] [Geschichte] [Zwangsarbeit in Rußland] [20. Jahrhundert] [Bräuche und die Nachbarschaft] [Geschichten aus dem Zeitgeschehen]

DUNESDORFER BRÄUCHE 1 und die NACHBARSCHAFT


Das Kronenfest

Das Kronenfest, ein von Generation zu Generation überlieferter Brauch, wurde in Dunesdorf am "Peter- und Paulstag" (29.Juni) gefeiert.

Die eigentlichen Veranstalter waren die "Mägde", also die Schwesterschaft. Zwar halfen die "Knechte" (Burschen) bei den Vorbereitungen auch mit, doch nur, wo männliche Kraft gefordert war.

Einen Tag vor dem Fest brachten die Burschen einen schönen, geraden Baumstamm aus dem Wald, oft bis 14 Meter hoch. Sie schälten die Rinde ab, damit der Stamm möglichst glatt wurde.

Die Mädchen ihrerseits sammelten Wintergrün und Blumen in allen Farben. Dafür wurden sogar manche Blumengärten geplündert und Wiesenblumen in großen Mengen herbeigeholt. Galt es doch als Stolz jeder Gemeinde, möglichst das größte Blumengebinde vorzuweisen.

Das Gerüst der meist kugelförmigen Krone bestand aus acht Bauchreifen von 100-Eimer-Fässern (=1000 Liter). Diese wurden senkrecht und waagrecht über- und ineinandergelegt und an den Berührungspunkten miteinander verschnürt. Schließlich glich dieses Gerüst der oberen Hälfte eines Globus, wobei die Reifen Längen- und Breitengrade andeuteten.

Schon am frühen Morgen begannen die Mädchen und jungen Frauen, das Wintergrün und die Blumen in Form von Sträußen -der Reihe nach fortlaufend- an das Gerüst zu binden, während die Burschen inzwischen eine tiefe Grube aushoben, in die dann der Kronenbaum mit der zentnerschweren Krone an der Spitze aufgepflanzt wurde.

Nach dem Gottesdienst und anschließendem häuslichem Mittagessen versammelte sich die gesamte Gemeinde am Kronenbaum.

Alle Mädchen trugen hübsche weiße Tracht.

Viel Kurzweil bot das Erklettern des Stammes. Einer der Burschen hatte bis zur Krone zu steigen, wo es einen Geschenkekorb zu ergattern gab, der vorher mittels einer festen Rolle hochgehievt worden war. Diesen Wettbewerb trugen die Burschen unter sich aus. Wem es gelang, die Krone zu erreichen, dem gehörte der Korb mit Geschenken. Allerdings mußte er von dort oben eine wohlgesetzte Rede halten.

Im Korb warteten Käse und Schnaps (Pali) für den Sieger, und Bonbons, die er den Kindern herabwarf.

Der anschließende Tanz unter der Krone dauerte bis zum Abend. Anschließend wurde im Gemeindesaal weitergetanzt, meist bis spät nach Mitternacht.

 

Ostern

''Afpeelen" - im Giebel oder am Tor 2

Vor und nach der Osterzeit gab es in der Gemeinde Dunesdorf ebenfalls schöne Bräuche:

Gemeinsam mit den Burschen holten auch die Väter mit ihren kleinen Jungen große Tannenzweige aus dem Wald, "Palmenbäume" genannt, um damit das Haus eines Mädchens zu schmücken, dem die Zuneigung galt.

Abends, wenn es dunkel geworden war -man wollte trotz großen Aufwandes lieber nicht gesehen werden- wurden diese "Palmenbäume" in einem der Giebelfenster am Haus befestigt oder ans Hoftor der Auserwählten genagelt. Auch dabei halfen die Väter den kleinen Knaben, oft auch bei der Auswahl der Mädchen. 3

Die Mädchen ihrerseits erwarteten den nächsten Sorgen mit Spannung, wollte doch jede einen "Palmenbaum" haben. Es kam vor, daß ein Mädchen mehrere "Palmenbäume" erhielt, ein anderes aber keinen. 4

Die Überbringer der "Palmenbäume" wurden für ihre Aufmerksamkeit belohnt: Am Ostersonntag erhielten sie von den Mädchen zehn gefärbte Eier, Hanklich und Orangen (in Siebenbürgen Pomeranzen genannt). Für die Burschen gab es zusätzlich Schnaps.

Bespritzen zu Ostern

Am Ostermontag fand das "Bespritzen" statt. Jungen und Burschen besorgten sich beizeiten je ein Fläschchen Parfüm, gingen von Haus zu Haus und fragten artig, ob das Bespritzen der Mädchen erlaubt sei, worauf sie ihre Duftwasser auf Haare und Kleider spritzten. Da jeder eine andere Note versprühte, kam bis zum Schluß das bunteste Duftgemisch zusammen. Zum Dank wurden die Burschen mit Schnaps und Wein bewirtet, die Knaben erhielten je ein Osterei.

 

Maibäume zu Pfingsten

Die Maibäume gehörten in Dunesdorf zum Pfingstfest. 5

Am Pfingstsamstag wurden den Mädchen Birken, Maibäume genannt, vor die Fenster der Hausfront "gesetzt".

Das wirkte sich dann meistens auch auf das Dorfbild verschönernd aus. Die weißen Stämme mit dem zarten Frühlingsgrün der jungen Birkenblätter waren ein richtiger Gassenschmuck und gaben der Feiertagsatmosphäre der richtigen Rahmen.

Die Mädchen bastelten für die Burschen je einen kleinen Strauß, den sie dann am Pfingstball ihren Tänzern als Belohnung für den Maibaum an die Brust hefteten oder auf den Hut steckten.

 

Beerdigungsbräuche

Heirat und Geburt bedeuten einen Zuwachs der Familie. Beim Tod hingegen fällt ein Mitglied aus. Dieser Verlust ist für diejenigen, die mit dem Toten häufig und persönlich verkehrten, erschütternd. Dabei gilt allgemein, daß Schmerz und Trauer um so intensiver und echter werden, je effektiver die Bindung war.

Die Nachbarn lassen die Betroffenen nicht etwa "in Frieden", sondern nehmen voller Mitleid an diesem Unglück teil, indem sie versuchen, den Betroffenen in der neuen Lage zu helfen.

Gleich nach dem Todesfall wird "die Leiche" (=Todesfall) durch den benachrichtigten Nachbarvater oder einen Verwandten des Hauses dem Pfarrer und dem Leiter der Adjuvanten "angezeigt". Dem Pfarrer gegenüber erfolgt dies, seit Generationen festgelegt, mit folgenden Wortlaut:

"Ich bringe eine traurige Botschaft: Gott der Herr hat unsern Mitbruder / unsere Mitschwester/ N.N. aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit abberufen. Da ist es ja bekannt, wenn Leib und Seele voneinander scheiden, daß der Körper auf dieser Welt zu nichts mehr nutze ist und wir ihn der Erde anvertrauen. So bin ich nun von den Angehörigen ausgesandt worden, um Sie, Herr Pfarrer, um eine Ruhestatt für unsern entschlafenen Mitbruder/ Mitschwester N.N. zu bitten. Weiterhin bitte ich Sie, bei dem Todesfall ihren pflichtgemäßen Dienst zu erfüllen, (auf) daß der tote Körper nach christlichem Brauch zu seiner Ruhestätte befördert werde".

Unterdessen haben die Glocken vom Türme den Todesfall der ganzen Gemeinde verkündet. Im Hause des Toten haben die Frauen der Nachbarschaft und die Verwandten den Toten gewaschen und ihn in Sonntagstracht aufgebahrt. Zugleich hat der Nachbarvater das Nachbarzeichen mit der Nachricht über Tag und Stunde des Begräbnisses reihum geschickt und die Grabmacher aus der eigenen Nachbarschaft bestellt.

In der ersten Nacht nach dem Ableben halten die Anverwandten die Totenwache, in der zweiten Nacht auch andere Gemeindeglieder, bis zur Mitternacht. Bei Gebet und Bibel lesen wird Brot und Wein gereicht.

Am Tage der Beerdigung läutet die kleine Glocke eine halbe Stunde vor der Begräbnisfeier. Wenn die große Glocke einsetzt versammeln sich die Leute der Gemeinde auf dem Trauerhof. Die Frauen gehen ins Haus, wo die Angehörigen und nächsten Verwandten um den Sarg sitzen. Die Männer bleiben auf dem Hofe stehen. Wenn beide Glocken zusammen läuten, erscheinen Pfarrer und Adjuvanten. Sie bleiben im Hoftor stehen.

Nun wird der Sarg "herausverlangt" 6 und in den Hof getragen, worauf die Adjuvanten einen Choral anstimmen, der von der Gemeinde mitgesungen wird. Dann spricht der Pfarrer ein Gebet am Sarg. Hinter den mit Trauermarsch abgehenden Adjuvanten nimmt der Trauerzug unauffällig Form an: An die Adjuvanten schließt sich der Pfarrer mit Nachbarvater und Kurator. Ihnen folgt der Sarg, getragen von Männern der Nachbarschaft, die sich nach bestimmter Strecke abwechseln.

Nach dem Grad der Verwandtschaft schreiten die Nächsten des Toten hinter dem Sarg, gefolgt von den übrigen Gemeindegliedern, immer in Viererreihen.

Unter dem Klang der Trauermarsche erreicht der Trauerzug den Friedhof, der sich inmitten des von Sachsen bewohnten Gemeindeteils befindet. (Dorfplan)

Der Sarg wird ins Grab gesenkt, und nach Aussegnung durch den Pfarrer wird das Grab zugeschaufelt. Unter den Klängen der Adjuvantenmusik umgehen die Trauernden das Grab, als Zeichen letzter Ehrung und des Abschieds. 7

Anschließend begibt sich die gesamte Trauergemeinde zur Kirche, wo die Begräbnisfeier in einer Predigt endet, worin der Pfarrer über Leben und Wirken des Toten spricht.

Diese Abfolge gilt bei allen Familienmitgliedern. Sie ist bei Mann, Frau oder Kind die gleiche.

Während der Begräbnisfeier sind 2-3 ältere Frauen im Trauerhaus damit beschäftigt, das sogenannte Tränenbrot für verwandte und fremde Trauergäste herzurichten. 8

Ursprünglich diente diese Brotgabe sinngemäß dazu, den Hinterbliebenen das Herzeleid und die Trauer lindern zu helfen. Weil es aber oft in Lustbarkeiten ausartete, hat man das Tränenbrot vielerorts als zweckfremd eingestellt.

 


Die Nachbarschaft

Die einzigen uns bekannten, relativ reinen und bis in die Neuzeit hinein lebendigen Formen lokaler Gruppen in Europa, die nicht feudalisiert worden waren, sind die Nachbarschaften der Siebenbürger Sachsen.

Der Nachbarschaft gehören ausnahmslos alle verheirateten und Hofbesitzenden Männer an. Die Mitglieder ihrer Familien sind gleichberechtigt und gehören der Nachbarschaft ebenfalls für die Dauer Ihres Lebens an. Auf dem jährlichen "Sitt-und Richttag" werden alle Beschlüsse in Eintracht, das heißt einstimmig, gefaßt. Im Vordergrund steht hier die Abrechnung, also die Einhebung der Ablösebeträge für versäumte Fuhr- und Handarbeitsleistungen.

Jedes zweite Jahr finden an dem erwähnten Richttag Neuwahlen statt, bei denen der ältere und der jüngere Nachbarvater gewählt beziehungsweise ausgerufen werden. Zwei weitere Männer gehören als Kassierer ebenfalls zum "Führungsstab".

In der Nachbarschaft gibt es ein formales Informationssystem. Zu diesem Zweck besitzt die Nachbarschaft ein besonders geformtes Holztäfelchen. Dies schickt der Nachbarvater reihum. Es muß in festgelegter Richtung von Haus zu Haus weitergereicht werden, darf nie über Nacht liegenblieben und wird mit dem beigelegten Text überreicht. 9

In der Nachbarschaft befindet sich ein handgeschriebenes "Artikel"-Büchlein, worin die Nachbarschaftsordnungen enthalten sind. Diese beziehen sich auf verschiedene Probleme, mit denen die Gemeinde im Laufe der Zeiten konfrontiert wurde und von den Nachbarschaften erfüllt werden mußten.

Zum Beispiel:10
-Schottern der Straßen und Wege (zum?) Hattert (=Gemarkung),
-Löschen von Feuersbrünsten,
-Rodung von Viehweiden,
-materieller Beitrag bei Notschlachtungen,
-Teilnahme an Begräbnissen und am Fasching.

Die Nachbarväter erhalten Befehlsgewalt. Die Nachbarn müssen ihren Weisungen folgen. Strafbeträge werden auf dem Richttag festgelegt.

Bestraft wird,
-wer das Täfelchen nicht ordnungsgemäß weitergibt,
-wer Streitigkeiten sucht,
-wer den Gehorsam verweigert
-wer Strafen nicht bezahlen will usw.

 

Satzung für Bruder- und Schwesterschaft11

In den Landgemeinden der evangelischen Landeskirche A.B. in Siebenbürgen ist nach alter Sitte die gesamte konfirmierte ledige Jugend ab der Konfirmation Mitglied einer Körperschaft, der Bruder-beziehungsweise Schwesterschaft.

Die Aufnahme erfolgt acht Tage nach stattgefundener Konfirmation, in der Regel am zweiten Ostertag. Der Austritt erfolgt bei Heirat, bei Wohnungswechsel in eine Andere Gemeinde oder bei vollendetem 30. Lebensjahr.

Alle Brüder und Schwestern entrichten bei der Aufnahme einen Beitrag. Beim Kirchgang sind sie verpflichtet, die altübliche Tracht zu tragen: die Schwestern den Borten und die Burschen den Kirchenpelz. Auch sind sie verpflichtet, die Christenlehre und andere Veranstaltungen zum Zwecke ihrer Fortbildung fleißig zu besuchen sowie auf den sogenannten Zugängen zu erscheinen.

Verboten ist der Besuch von Wirtshäusern und sonstiger vom Pfarrer nicht genehmigter Unterhaltungen. Ausgenommen sind die "Spinnstuben", die jeweils in den Häusern der "Mägde" stattfinden.

Gegen Versäumnisse und Übertretungen sind Strafen anzuwenden. Dies sind: Ermahnung, Verweis, Geldbußen, ja sogar zeitweiliger Ausschluß.

In der Jugendführung wird der Pfarrer von den "Kirchenvätern" unterstützt, die vom Prebyterium (=Kirchenvorstand) eingesetzt werden. Sie führen beim jeweiligen Zugang den Vorsitz und tragen für den rechtmäßigen Ablauf der Sitzung Sorge. Zur Seite stehen ihnen der "Altknecht", für die Burschen zuständig, beziehungsweise die "Altmagd", für die Mägde verantwortlich. Altknecht und Altmagd werden für die Dauer von zwei Jahren gewählt.

 

Bleibe treu

von Michael Albert

1. Deiner Sprache, deiner Sitte, deinen Toten bleibe treu,
steh in deines Volkes Mitte, was sein Schicksal immer sei!
Wie die Not auch dräng und zwinge, hier ist Kraft, sie zu bestehn;
trittst du aus dem heil'gen Ringe, wirst du ehrlos untergehn.
Bleibe treu!

2. Wie die Welt auch um dich werbe, deine Brüder lasse nicht,
deiner Väter heil'ges Erbe zu behüten, sei dir Pflicht.
Gleich der Welle in dem Ströme füge in dein Volk dich ein,
stürzen kann die Mauer im Dome, wenn sich losgelöst der Stein.
Füg dich ein!

3. Wahre deines Volkes Ehre, nie sei dir sein Name feil,
stehe fest in seine Wehre, fühle dich als seinen Teil!
In des Lebens Leid und Wonne bleibe treu auf guter Wacht,
lieb dein Volk im Glanz der Sonne, in des Sturmes dunkler Nacht!
Bleibe treu !

Schön ist die Jugend12

Volkweise von Hessen

1. Schön ist die Jugend bei frohen Zeiten,
schon ist die Jugend, sie kehrt nicht mehr.
Refrain:
Drum sag ichs nocheinmal:
Schön sind die Jugendjahr,
schön ist die Jugend,
die goldne Zeit!

2. Es blühen Rosen, es blühen Nelken,
es blüht ein Blümelein Vergiß-nicht-mein,
Refrain:
Drum sag ichs. . . .

3. Und aus dem Weinstock wachsen Reben,
und aus den Reben wachst edler Wein.
Refrain:
Drum sag ichs. . . .

4. Ich liebt ein Mädchen in frohen Zeiten
ich liebt ein Mädchen, so jung und schön.
Refrain:
Drum sag ichs. . . .

5. Doch auch mein Vater, der kanns nicht leiden,
und meine Mutter viel weniger.
Refrain:
Drum sag ichs. . . .

. . . weiter (Geschichten aus dem Zeitgeschehen)


Bemerkungen

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  1. Das Buch "Dorfleben der Siebenbürger Sachsen - Tradition und Brauchtum" von Ortrun SCOLA und Rotraut ACKER-SUTTER (1991 Callwey Verlag, München, ISBN 3-7667-1004-4) beschreibt weitere Bräuche, Sitten und Feste der Siebenbürger Sachsen. Inhalt: 

    Siehe auch: "Sächsische Hochzeit im "alten" Siebenbürgen".
    [For English-speaking readers, the monograph "Family Life in Transylvania" (#518) by Fredrich H. Barth, who was born in Seiden, is available through the Mormon Family History Centres. This publication does not seem to be available electronically.]

  2. Anmerkung vom unbekannten Rezensent: "Das Wort "afpeelen" müßte erläutert werden. Meiner Meinung nach heißt es schlicht "aufpfählen", d.h. in der Art eines Pfahles einschlagen oder einrammen. Daß wir Siebb. Sachsen dies auch mit "aufnageln" gleichsetzen, weist in ferne Zeiten, da alles Nageln offenbar noch mit Holznägeln geschah und tatsächlich dem "An- oder Aufpfählen" im wahrsten Sinne des Wortes noch so nahe stand. Im übrigen wird bei lauttreuen Mundartschreibungen das doppelte EE als Dehnung abgelehnt."
  3. Anmerkung: "Wenn es auch in Dunesdorf so war, daß man durchaus mehreren Mädchen 'afpeelte', sollte dies erwähnt werden."
  4. Anmerkung: "Ähnliches habe ich als 8 bis 10jahriger Junge in Deutsch-Kreuz miterlebt, wo aber -gleichfalls von den Vätern- auch darauf geachtet wurde, daß möglichst kein Mädchen meines Jahrganges leer ausging. Über die Qualität aber durften wir entscheiden: den schönsten Maibaum - dem bevorzugtesten Mädchen. Solches geschah vor Pfingsten, und der Maibaum war ein Laubbaum, der in Kreuz auch heute noch Maibaum genannt wird. Einen anderen Namen kenne ich nicht. Da sogar das Schlagen der Baume zum Teil abends geschah, gab es Burschen und Vater, die vor dem ersten Axthieb zur Sicherheit noch ein Blatt kurz ankauten. Der Geschmack bestätigte die Baumart, oder auch nicht. Es kam vor, daß die Pfähle bis gegen Morgen geklopft wurden, um für die Bäume ein entsprechendes Loch im oder neben dem Pfaster zu schlagen. Ich möchte Sie ermutigen, solche Erlebnisse eingehender und mit viel innerer Anteilnahme zu schildern. Das waren tatsächlich schöne Bräuche, von allen voll akzeptiert und mitgelebt."
  5. Anmerkung: "Zu diesem Setzen sollten Sie noch ein paar Einzelheiten aufschreiben, weil es oft so erlebnisreich gewesen sein dürfte, was dem ganzen zweifelsohne viel Reiz gab. Diese schönen Bräuche sind etwas kurz und trocken geschildert. Hier sollte ruhig das Herz flimmern."
  6. Anmerkung: "Gibt es da nicht gleichfalls festgelegte Rede und Gegenrede?"
  7. Anmerkung: "Spielt die Musik nicht auch wahrend des Zuschaufelns? Was spielen die? Nach Grad des Anverwandtseins geordnet?"
  8. Anmerkung: "Wer sind 'fremde Trauergäste'? Das müßte erwähnt werden!"

  1. Anmerkung vom unbekannten Rezensent: "In meiner Heimatgemeinde Deutsch-Kreuz wurde alles vom Nachbarvater Ausgehende mündlich weitergegeben, nur wenn der Pfarrer eine Nachricht durch 'den Zeichen' verbreitete, tat er dies mit einem möglichst kurz und deutlich formulierten Text. Das Papier war für gewöhnlich nicht größer als etwa ein halbes DIN-A4- Blatt"
  2. Anmerkung: "Ware es nicht einfacher, die Nachbarschaftsartikel aus Dunesdorf hier wörtlich aufzuführen? Auf jeden Fall würde der Eindruck der Unmittelbarkeit erheblich an Gewicht gewinnen. Wagen Sie es doch, selbst wenn unsere Alten manchen sprachlichen Stuß formuliert haben sollten!"
  3. Anmerkung: "Gibt es denn keine Satzung mehr von der Dunesdorfer Bruder- oder Schwesterschaft? Die würde alles sehr eindringlich belegen, zumal die Artikel immer sehr streng gefaßt waren. Dann könnte man sich mit einigen Erläuterungen begnügen. Die Zeitzeugnisse verfehlen ihre Wirkung so gut wie nie."
  4. Anmerkung: "Dieses Lied könnte als Beleg dafür aufgeführt werden, was die sächsische Jugend bei verschiedenen Gelegenheiten sang, zwei- oder drei- bis vierstimmig, mit Oberterz usw. Zeitraum bitte angeben !"

. . . weiter (Geschichten aus dem Zeitgeschehen)

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