Thomas Gleißner

Abkürzungen

Ahd althochdeutsch (8.-11.Jh.)

As altsächsisch

BN Berufsname

FN Familienname

Kf Kurzform

MB. Monumenta Boica, München 1763 ff.

Mhd. Mittelhochdeutsch (12.-15.Jh.)

Mnd. Mittelniederdeutsch

Nhd. Neuhochdeutsch (16.Jh. bis heute)

Obd. Oberdeutsch

ON Ortsname

ÖN Örtlichkeitsname (Siedlungsname, Stellenbezeichnung)

PN Personennamen

SN Sippennamen

TN (christlicher) Taufname

ÜN Übername

VN Vorname

< aus

> wird zu

I Heintze-Cascorbi: FN der I.Schicht, der sich aus alteinheimischen, uspr. heidnischen Personennamen, d.h. nicht forterbende Benennungen einzelner Personen (z.B. Albrecht und Arnold) entwickelte.

II Heintze-Cascorbi: FN der II.Schicht, der sich aus später dazugekommenen fremden Personennamen aus christlicher Zeit (z.B. Peter und Paul) entwickelte.

III Heintze-Cascorbi: FN der III.Schicht, die ursprünglich nur unterscheidende Zusätze zu den Personennamen der ersten beiden Schichten waren, und damit Namen jüngster Periode darstellen (z.B. Weber und Wittenberg).

Allgemeines

 

Josef Kiening (www.genealogie-kiening.de)

Entstehung der Familiennamen

1. Herkunftsnamen

Im späten Mittelalter bildeten sich bei den Bürgern Familiennamen. Auf dem Land wurden sie erst in der Neuzeit langsam üblich.

Einödbauern nannten sich nach ihrem Ort. Diese Namen sind fast immer zweisilbig oder zweiteilig.

Beispiele von weit verbreiteten Namen mit Bezug auf Orte im Raum Dachau:

Rottenfußer, Pentenrieder, Holzmüller, Loderer, Daxberger, Welshofer.

Größere Orte als Einöden, also Dörfer, treten bei der Namensbildung selten auf. Hier war die Familie durch den Ortsnamen noch nicht eindeutig zu bestimmen. Die Bewohner der Einöden hatten durchaus andere Familiennamen, zum Beispiel Hauser in Pentenried. Erst die wegziehenden Söhne führten anstelle des Familiennamens den aussagefähigeren Ortsnamen. Eigenartigerweise prägten nicht alle Einöden Familiennamen. Die hier häufigen Orte -hausen und -hofen tauchen im Raum Dachau nicht als Familiennamen auf.

Ist der Name der Einöde einsilbig, wurde gerne -Mayr angehängt. Der Meier, Major, ist der Bewirtschafter eines Herrschaftshofes. Das gleiche gilt, aber im Raum Dachau eher selten, für die Halbhöfe und den Namen Huber. Beispiele:

Kreut = Kreutmayr, Kreitmayr, Haidhof = Heitmayr, Ried = Riedmayr, Stockach = Stockmayr, Häusern = Heisermayr, Brand (Kreis Friedberg) = Brandhuber.

2. Berufsnamen

Bei Handwerkern war oft Beruf und Familienname identisch. Bei Schmied, Schneider, Mesner, Weber, Metzger, Fischer, Bäck usw. läßt sich eine Namensspur kaum verfolgen. Auch die Namen Meier, Huber, Lechner, Söldner sind ursprünglich Berufsbezeichnungen für Landwirte, abhängig von der Betriebsgroße.

Allerdings gibt es hier im Raum Dachau Familienstämme, in denen Berufe erblich waren: Die Dexl waren Schmiede, die Hafensteiner waren Bader, die Fritz und die Krebs waren Fischer, viele Mesner hießen Hartmann.

3. Von Vornamen abgeleitete Familienamen

Zur Vollständigkeit sei noch diese große Namensgruppe erwähnt. Glas, Clas, Nikl entstand aus Nikolaus, Asam aus Erasmus, Naßl aus Ignaz, Wastian, Bastian aus Sebastian, Waldhauser und Balzer aus Balthasar, Heiß aus Matthias usw.

Diese Namen sind gleichmäßig und häufig über ganz Süddeutschland verteilt. Wie bei den von Berufen abgeleiteten Familiennamen ist die Familienforscher hier schwierig.

4. Übernamen

Diese Namensgruppe ist von Eigenschaften wie Haarfarbe (Braun, Schwarz, Weiß) abgeleitet. Hier gilt das gleiche wie im vorstehenden Absatz.

 

Namensschreibung

Eine amtliche einheitliche Schreibweise der Familiennamen gibt es erst seit Einführung der Standesämter im Jahr 1876. Vorher konnte der Pfarrer oder Gerichtsschreiber die Leute nur fragen, wie sie heißen und aufschreiben, was er hörte. Nur wenige konnten selbst schreiben. So entstanden unzählige Variationen des gleichen Namens.

Hier stehen die Namen, wie sie in der zuerst gefundenen Quelle geschrieben wurden, auch wenn in weiteren Quellen andere Schreibweisen gefunden wurden.

Suchtechnik

Die Namen sind phonetisch sortiert. Das heißt, alle phonetisch gleichen Namen bilden eine Gruppe, die als Überschrift alle vorkommenden Variationen trägt.

Mit dem Menue-Punkt Bearbeiten, hier mit der Funktion Suchen kommen Sie zum gewünschten Namen. Wenn Sie den gewünschten Namen gefunden haben, klicken Sie ihn an. Dann werden alle Träger dieses Namens in der Sortierfolge

Vorname

Jahr des Besitzerwerbes bzw. Heirat

mit Ort und Haus-Nummer angezeigt. Durch Anklicken einer Person springt man in das Häuserbuch und findet dort die komplette Familie.

Phonetische Sortierung

Die phonetische Sortierung erspart dem Benützer viel Sucharbeit. Wenn mit der Funktion Suchen gearbeitet wird, bemerkt man die phonetische Sortierung kaum.

Diese funktioniert so: Alle Buchstaben werden in ihre weiche Form geändert:

P p wird B b, (nicht bei sp)

K k Kh kh C c Ck ck ckh Ch ch (nicht bei sch) wird G g

T t Th th dt (nicht bei st) wird D d

A a Ä ä Ö ö wird E e

ie J j Y y Ü ü wird I i

Oi oi wird Eu eu

Ue ue wird U u

V v wird F f

tz wird z

x wird gs

ß wird s

Endung -el wird -l

Endung -khart: h bleibt erhalten, nicht wie bei kh

Doppelbuchstaben werden zu Einzelbuchstaben

Trotzdem sind nicht alle Möglichkeiten maschinell zu erschöpfen, insbesondere nicht das Dehnungs-H (z.B. Mahl = Mall, Wöhrl = Wörl) und verschluckte Endungen (z.B. Kellerer = Keller). Austausch von B und W ist ebenfalls nicht programmiert: Bastian siehe auch unter Wastian, Paltl unter Waltl etc.

An solche Möglichkeiten muß der Benützer selbst denken und alle Variationen im Register nachschauen. Das Anhängsel -in wurde bei Frauen stets weggelassen, z.B. Meierin heißt phonetisch Meir.

Vornamen

Auch bei den Vornamen gibt es viele Variationen. Die Vornamen sind hier, wenn möglich, nach dem heute gültigen Duden geschrieben. Vitus suche man also unter Veit, Hans bei Johann usw.

Die Bräuche bei der Verwendung der Vornamen sind regional sehr unterschiedlich:

Vornamen in Oberbayern

In einer Geschwisterreihe wurde hier im Raum München jeder Vorname nur einmal vergeben. Tritt bei Geschwistern der gleiche Vorname zum zweiten Mal auf, kann man sicher sein, daß das ältere Kind mit dem gleichen Vornamen bereits gestorben ist. Die Landbevölkerung taufte nur mit einem Vornamen. Doppelnamen wie Johann Georg sind selten. Sie kommen fast nur bei Zuwanderern und Bildungsbeflissenen vor. Eine Ausnahme ist die Maria -Anna.

Vornamen in der Oberpfalz

Die Datensammlung enthält eine größere Menge Personen in der mittleren Oberpfalz. Hier gelten ganz andere Bräuche: Die Buben wurden stets Hans und die Mädchen bevorzugt Gretl oder Maria getauft. Gleiche Vornamen in der Geschwisterreihe sind also die Regel und lassen keinesfalls darauf schließen, daß das gleichnamige ältere Geschwister schon gestorben ist.

Der Brauch hat seinen Grund: Der älteste Sohn wird Hans gerufen und nimmt als künftiger Hoferbe eine Sonderstellung in der Geschwisterreihe ein. Bei der hohen Kindersterblichkeit konnte man aber nicht mit dem Überleben des Erstgeborenen rechnen. Deshalb wurden auch die nachgeborenen Söhne Hans getauft. Die Frage, wie die Eltern die Kinder riefen, beantworten alte Oberpfälzer so: Das ist ganz einfach, der erste Sohn ist der Hans, der zweite der Johann, der dritte der Hannes, dann kommen (Hans-)Georg, (Hans-)Michael usw. Weitere Möglichkeiten sind Johann-Baptist und Johann-Nepomuk.

Fällt der als Hoferbe bevorzugte erste Hans durch Tod, Wegzug oder aus einem anderen Grund aus, erhält der nächste Sohn den Rufnamen Hans und die damit verbundene Bevorzugung. Das ist ohne weiteres möglich, da Hans stets in den Taufnamen enthalten war.

Für den Familienforscher ist es fast unmöglich, einen Hans-Taufeintrag einem Heiratseintrag oder einem Sterbeeintrag zuzuordnen. Der zweite Vorname im Taufeintrag oder Heiratseintrag ist wenig nützlich, denn Doppelvornamen wurden beliebig einzeln verwendet. Auch Altersangaben in Sterbeeinträgen weichen häufig sehr vom wirklichen Alter ab.

Josef Kiening (www.genealogie-kiening.de)

 

Im deutschen Sprachraum gab es bis zum 12. Jh. nur Vornamen. Der Übergang zu erblichen Familiennamen wurde wegen der Ausweitung der Handelsbeziehungen und des Anwachsens der Städte notwendig. Die Rechtsgeschäfte erforderten eine genaue Unterscheidung von Personen, was bei den vorher üblichen Vor- oder Taufnamen nicht möglich war. In Italien erfolgte dieser Übergang schon im 8./9. Jh. Um 1200 setzten sich - im deutschen Sprachgebiet - die bürgerlichen Namen zu 78 % aus Herkunftsnamen [HN] (wie Koblenz, Speyer, Straubinger usw.), zu 20 % aus Ruf- oder Vornamen [VN] (wie Martin, Thoma, Philips, Reiner, Endres usw.) und zu 2 % aus Übernamen [ÜN], die nach geistigen und körperlichen Merkmalen gebildet wurden, (wie Klein, Großmann, Sauer, Eberhardt, Eichhardt, Frech, Hartmann, Stark usw.) zusammen. Ab 1300 kamen die Berufsnamen [BN] (wie Müller, Schneider, Schmidt, Tressel usw.) und Wohnstättennamen [WN] (wie Bachmann, Berg, Ortmann, Rosner usw.) in Mode. Während die Berufs- und Übernamen bis zum Jahr 1500 auf 20 bzw. 30% anstiegen, sank der Anteil der Herkunftsnamen in drei Jahrhunderten auf 30 % ab. Ferner gibt es noch örtliche Namen [ÖN], die auf lokale - örtliche - Namen hinweisen (wie Antretter, Auer, Hollenberger, Stegmaier u. a.).

Tressel, gefunden im Internet

"Ei was", so hatte der Esel gegenüber dem verzagten Hahn gespottet, "etwas besseres als den Tod findest du überall." Lebensmut um 1500: Ziemlich genau auf diese Zeit können wir einen Nachnamen datieren, der bis heute lebt: "Fürchtenicht". Er ist typisch für die damals entstehenden Landsknechtnamen wie "Jungblut" oder – jedem Thomas-Mann-Leser vertraut – "Schlaginhaufen". Solche Namen erzählen von dem Willen kleiner Leute zur Selbstbehauptung. Wir vermuten, daß hinter einer Namengebung, die sich auf die Zeit der beiden Generationen vor und nach 1500 eingrenzen läßt (schon um 1550 tragen die Landsknechte die ererbten Namen), das Problem der herumstreunenden, bettelnden Kinder steht. Namenlose in einer Welt, in der inzwischen alle ererbte Nachnamen tragen, sind "Nichtswürdige". Sie geben sich selbst ihre Würde wie etwa die Schmiedegesellen. Bis heute leben ihre Namen: Recknagel, Steuernagel, Pinkepank oder Zuckriegel beim Schlosserknecht, Hebsack beim Müllersburschen. Gebildet wurden all diese Namen nach dem Vorbild, das die Spielleute gegeben hatten: Preisendanz (ich preise den Tanz), Schickedanz (ich ordne den Tanz) und entsprechend also: Ich schlage in den Haufen der Feinde hinein. Eine Namengebung also, die nicht von außen gegeben ist, wie Schubert, der Flickschuster, im Gegensatz zum Schuhmacher, sondern selbst gewählt ist, eine Namengebung kleiner Leute, die "ich" sagen.

Aus: Schubert, Ernst: Besseres als den Tod fand man nicht allemal: Die schwere Welt kleiner Leute. In: Bilder und Zeiten, Wochenendbeilage der FAZ vom 26.06.1999.

Bis ca. 1700 gehen beide Konfessionen in etwa konform, lediglich die evangelischen Pfarrer schreiben die Namen deutsch in die Kirchenbücher. Dann kommen durch die hauptsächlich von den Jesuiten getragene Gegenreformation in der Oberpfalz typische Heiligennamen wie Alois und Clara auf, die auf katholischer Seite das durch die Nachbenennung ziemlich gleichförmig gewordene Namenmaterial erweitern. Die katholischen Geistlichen tragen bis 1803 – jetzt zieht der Staat die Aufsicht über die Kirchenbücher an sich – die lateinischen Vollformen in die Kirchenbücher ein.

Kleinöder, Rudolf: Konfessionelle Namengebung in der Oberpfalz von der Reformation bis zur Gegenwart. Verlag Peter Lang Frankfurt/M. 1996

Doppelnamen - genannt

Ich trage sozusagen zwei Familiennamen, und zwischen beiden steht ein "genannt". Den Namen habe ich durch Heirat erworben, und nun muss ich überall erklären, wie es zu dieser interessanten Kombination gekommen ist. Können Sie mir helfen?

[GfdS]: Bei Ihrem Namen handelt es sich um eine alte Form eines mehrgliedrigen Familiennamens, der aus den beiden Familiennamen A.und H. und dem Zusatz genannt (bezogen auf den zweiten Namen H.) gebildet wurde. Familiennamen haben sich in einem langen Entwicklungsprozess seit dem 12. Jahrhundert herausgebildet. Ursprünglich wurde dem Rufnamen einer Person ein Beiname zur besseren Unterscheidung nebengestellt. Dieser konnte nur für diese eine Person stehen, aber auch auf die nachfolgenden Generationen übertragen werden und sich somit im Laufe der Zeit zum Familiennamen verfestigen. Dieser ursprüngliche Beiname zum Rufnamen wurde in der Regel auch als solcher durch meist lateinische, aber auch deutsche Zusätze wie dictus >genannt<, cognomine/cognomentus >mit Beinamen<, genant, giheizen/heisset, den man sprichet >den man nennt< gekennzeichnet. Diese Zusätze stehen dann in der Regel zwischen dem Rufnamen und dem Beinamen. Zur Verdeutlichung seien hier einige Belege aus Freiburger Quellen des 13. und 14. Jahrhunderts aufgeführt. Im Jahre 1245 werden hier Albertus miles dictus der Trossche, Cunradus dictus Cholman und Ulricus dictus Rintchofe aufgeführt; 1258 Cunradus dictus Faber; 1266 Cunradus dictus Hauener; 1273 Burchardus dictus Hemerli; 1281 Heinricus dictus Kreier; 1307 Bruder Egebreht den man sprichet der Wolhuser. 1313 kommt bei einer Gertrudis die lateinische weibliche Form dicta zu dictus vor. Da diese Beinamen anfänglich noch nicht fest waren, konnten sie wechseln oder auch zu mehreren nebeneinander stehen. So erscheint ein Burkhart Goltsmit genannt Lermúndelin von 1349 vier Jahre danach nur noch als Burkart Lermúndelin. Als Beinamen wurden Rufnamen (meist des Vaters),Berufsbezeichnungen, Herkunfts- und Wohnstättenbezeichnungen und Übernamen ("Eigenschaftsnamen") herangezogen. Auch kann ein und derselbe Name in Varianten auftreten, z. B. Lüder genannt Lühr, Fuchs genannt Fox. Nicht immer haben sich diese Beinamen auch zum Familiennamen verfestigt. Seit dem 15./16. Jahrhundert hat sich dann meist nur ein Beiname zum Familiennamen herausgebildet, d. h., er ist erblich geworden. Trotzdem gab es noch Fälle und Regionen von Zwei- und Mehrnamigkeit. So wurde besonders in Gebieten mit Einzelhofsiedlung (u. a. im westfälisch-niedersächsischen Raum) seit dem 15. Jahrhundert häufig beim Erwerb eines Hofes der Familienname abgelegt und der Hofname als neuer Familienname geführt. Dies brachte viele Probleme mit sich, so dass 1818 in Westfalen ein Gesetz erlassen wurde, das vorsah, dass Hofbesitzer ihre Familiennamen nicht durch Hofnamen ersetzen, sondern diese nur zufügen dürfen. So entstanden Namensformen mit Zusätzen wie genannt oder geborener (Biest geborener Mittelfeld), die aber dann später wieder ausfielen. Man findet heute an deren Stelle Doppelfamiliennamen mit und ohne Bindestrich, z. B. Kiepe-Holstein, Schulze-Eckel, Schulte Berlinghoff. Doppelfamiliennamen wurden auch bei Eheschließung gebildet, d.h., der Ehemann konnte den Familiennamen seiner Ehefrau zusätzlich annehmen, wenn diese etwa aus einer bekannten und angesehenen Familie stammte. So heiratete ein Joh. Henrich Kramme aus Brachwede 1738 in Steinhagen eine Anna Marie Ilsabe Strothmann und hieß nun Joh. Henrich Kramme genannt Strothmann. Nur wenige dieser Namenbildungen wurden richtig fest, aber einige wenige haben sich bis in die Neuzeit gehalten, so auch der Ihre. Welche Motivation in Ihrem Fall vorlag, kann man heute ohne ältere Quellen nicht mehr sagen.

 

Konrad

Im "Deutsches Namenlexikon" aus dem Gondrom-Verlag ist unter "Conrad" nichts

zu finden. Unter "Konrad" ist dem Buch folgendes zu entnehmen:

Konrad ist die lat. Urkundenform des altd. Kaisernamens Kunrad = "kühn im Rat" (mhd. "Kuonrat", die volkstüml.Form im MA.!), dessen Beliebtheit (neben dem Kaisernamen "Heinrich"!) sich noch in der Redewendung "Hinz und Kunz" (=Jedermann) spiegelt. Als Vornamen (Heiligennamen) heute meist katholisch. Als Kurzform sind heute nur noch "Kuno" (durch die Ritterromantik um 1800) und "Kurt" (ndd. "Cord") am Leben. Im Mittelalter waren obd. "Kuon", "Kune" nebst "Künel" und "Kunz" neben "Künzel" gebräuchlich, daher die Familiennamen "Kuhn", "Kühne", "Kühnemann", entrundet "Kiehne", sowie "Kühnel" ("Kühndel"), "Kienle" und "Kunze, Künzel", "Kienzle", Patronym: "Küntzler", "Kienzler".

Dem mhd. "uo" entspricht ndd. "ô", daher die ndd. o-Form: "Ko(h)nert, "Konertz" (vergl. schles. "Kuhnert!), Patronym: "Konerding", kontrahiert "Cord", "Cordes", "Cohrs", "Cordsen", "Corssen"; auch "Kö(h)ne", "Kö(h)nke", "Könneke". Main-frk. ist "Kuhlmann", "Kullmann"; hess. "Kunkel" (wie "Heinkel", "Henkel" für "Heinrich"); schles. ist "Kuhnt" (wend. "Kunat").

Ku*e*nczel ist dabei in der Tat eine alte Verkleinerungsform von Konrad, undzwar insofern, als Kunz eine Kurzform von Konrad darstellt und Künzel oder Künzlein eine Verkleinerungsform

desselben darstellt.

Thomas Peter (thomas@uni-trier.de)

Superskripte

Die vielen * wurden ganz einfach gesetzt, um die im Original stehenden Superskripte (kleinere, über den Hauptbuchstaben gesetzte Buchstaben, die meist nicht mit den heute im Deutschen

üblichen Umlautstrichen wiedergegeben werden können, da es sich nicht immer um ein e handelt) zu kennzeichnen; dies wurde z. B. beim Judenbuch der Wiener Scheffstraße auch in den editorischen Vorbemerkungen von uns angemerkt.

Um dem Benutzer ein aufwendiges Herunterladen weiterer Schrifttypen zu ersparen, wurde darauf verzichtet, Superskripte darzustellen. Stattdessen sind diese durch Sternchen hervorgehoben (Bsp.: dafu*e*r).

Thomas Peter (thomas@uni-trier.de)

Willibald Mayrhofer: Quellenerläuterungen für Haus- und Familienforscher in Oberösterreich (derzeit vergriffen!)

Die für Orts- und Hausgeschichten sehr wichtigen alten Abgabenverzeichnisse (Urbare) führen oft den heute noch üblichen Hausnamen an, doch sagt dies nichts über ein Verwandtschaftsverhältnis der meist nur mit Vornamen erwähnten Besitzer des Hauses aus. Die konsequente Festlegung von Familiennamen der bäuerlichen Schichten wurde durch die Matriken-Vorschriften des Konzils von Trient (1563) eingeleitet und war um ca. 1620/40 weitgehend abgeschlossen.

Früher pflegte man so zu schreiben, wie man sprach oder zu hören glaubte, ohne sich um orthographische Regeln zu kümmern; z.B.: verschiedene Schreibweisen des Namens "Edlinger": Etlinger, Ellinger, Öllinger, Öhlinger, Ödlinger usw. Statt "Gut" schrieb man "Guet", statt "müssen" "müessen", statt ei oft ej, ey, ai, ay, statt eu zuweilen oi, oy, statt ä, ö auch reines e, statt der Umlautzeichen ä, ö, ü vielfach ae, oe, ui. Der Buchstabe ä ist als reines helles a zu lesen,

während für das dumpfe a nicht selten ein o erscheint. Die jetzt üblichen Dehnungszeichen für lange Selbstlaute (stummes h, Verdoppelung) kamen erst nach und nach auf. Die Mitlaute b p, d t, f v wurden nicht unterschieden. Häufig steht c, ch oder kh für k, th statt t, hs statt ss. Mitlaute im Wortinneren wurden je nach Sprachgefühl verdoppelt; statt mm und nn zu schreiben, setzte man meist einen Strich über das m und n. Ein waagrechter Strich über einem Wort kann auch anzeigen, dass hier eine Kürzung vorgenommen wurde: ein Strich über dem Wortende ersetzt meist die Silbe -en, ein Schnörkel nach oben die Endsilbe -er. Die Buchstaben u und v wurden vor 1750 in der Regel gleichwertig in der Form verwendet, dass v am Wortanfang und u im Wortinneren steht. Das kleine s erscheint oft nur in Form eines dünnen Striches nach unten, scharfes ß und ss wurden nicht unterschieden. Grundsätzlich gilt, dass ein Buchstabe, der nicht sofort enträtselt werden kann, fast immer auch in einem anderen Wort desselben Schriftstückes vorkommt. Man muss also Vergleichbares suchen!

Die früher verwendeten Fachausdrücke und Abkürzungen sind so zahlreich und vielfältig, dass sie hier nicht behandelt werden können; man frage einen Fachmann oder benütze die Spezial–literatur wie das Bayerische Wörterbuch von Schmeller / Frommann (alphabetisches Register am Ende des 2. Bandes); den Ergänzungsband "Steirischer Wortschatz" zu Schmellers Bayerischem

Wörterbuch von Unger / Khull; Dülfer, "Gebräuchliche Abkürzungen des 16. 20. Jahrhunderts"; das Büchlein "Heimatkunde heute" von Schilder oder das Standardwerk von Grun "Schlüssel zu alten und neuen Abkürzungen".

Bauer

Brechenmacher

Bau(e)r, bayr.Pau(e)r, BN < mhd. Bûr, mnd. Bûwer = Bauer. In den ältesten SN meint B. den nicht bevorrechteten, also im Gegensatz zum Meier in bescheidenen Verhältnissen lebenden Bauer. Daher auch die Masse der Bäuerle. 1366 Burkhard gen. Bauer, Bauer zu Cannstatt.

Duden

Bauer "Landmann, Landwirt": Das Substantiv ist nicht vom Zeitwort ‚bauen‘ abgeleitet, sondern gehört zu ahd. būr “Haus”. Mhd. būr[e], gebūr[e], ahd. gebūro bedeuteten zunächst “Mitbewohner, Nachbar, Dorfgenosse” (in dem Wort“Nach-bar” steckt der gleiche Wortstamm). Erst die soziale Entwicklung im Mittelalter machte ‚Bauer‘ zur Berufs- und Standesbezeichnung und ließ in der Anschauung der anderen Stände (besonders Adel und Bürgertum) den Nebensinn "grober, dummer Mensch" entstehen. In der ländlichen Sozialordung bezeichnet ‚Bauer‘ den vollberechtigten Hofbesitzer im Gegensatz zum Häusler oder Kätner.

Gottschald

Mhd.būr < ahd. gibūro (vgl. Gebauer) “Mitbewohner, Dorfgenosse”, dann “Landwirt”.

Heintze-Cascorbi

Bauer III. mhd. bûr (auch bûwaere, ahd. pûâri, bûâri) "der den Acker baut", Gegensatz zu herre (Ritter), später auch zu burgaere. Gegensätzliche Interpretation zu Duden!

Tressel

Bauer (BN): Ähnlich wie Schmidt usw. deutet dieser Name auf den Beruf seines ursprünglichen Trägers hin.

Bäuml, Baum

Brechenmacher

Bäumle, Bäuml(e)in, Baumel, Bäum(e)l < Baum s.d. 1264 Rud. Dictus Boumilin zu Basel. Vgl. Flurnamen wie 1295 bei Marbach "zuo dem Bomeli".

Baum, nach der durch einen mächtigen Baum bezeichneten Siedlungsstelle; auch der beim Schlagbaum. 1261 Godefridus sub arbore, zu Hechtsheim (Mainz).

Gottschald

Bäuml: von "Baum" abgeleiteter Name.

Heintze-Cascorbi

Baum III. ahd. poum, boum, mhd. boum, as. Bôm, mittels dativischer Ellipse zu ON verwendet, zuerst im 11.Jh. in Budenbomen – gegenwärtig nicht viel unter 200 bewohnte Orte auf –baum in Deutschland. Andere FN sind durch Häusernamen vermittelt, wie ein Haus "zum Mulboum" 1315 zu Mainz, im 12.Jh. zu Basel war. Ableitung auf –er: 1. Baumer, 2. Bäumer ("Inhaber oder Anwohner eines Schlagbaums an der Grenze oder Zollstätte"), 2. Niederd. –bömer. Verkleinerungsformen: Bäumle, Bäumler (Rudolfus dictus Böumili 1264 in Mülhausen i.E.; nach einem alleinstehenden Baum heißt in Köstlach ein Flurstück seit alter Zeit "zem Böumelin").

Dallinger

Heintze-Cascorbi

Dallinger III. In der Gaunersprache "Henker", erst Anfang des 16.Jh. aus dem hebrä. tâlâh "aufhängen" aufgenommen, daher fraglich.

Döllinger

Brechenmacher

Dolling(er), Dölling(er), < ON Döllingen (Pr. Sa.), Dolling (mehrf. in O/Bay.). Zum letzteren 1413 Friedrich Tollinger, Pfleger zu Siegenstein (O/Pf.): MB. XXVI, 315 (dort schon 1290 "der Tollingarius": XXVI,32). – 1431 Chunrat Töllinger zu München: MB. XXI,97.

Häufigkeitsnachweis: Wien(1926) 41, Augsburg 7, München(1929) 40, Regensburg(1926) 32, Stuttgart(1926) 9, Würzburg(1928) 5, Schweinfurt(1931) 2, Nürnberg(1928) 40, Fürth(1931) 17, Berlin(1928) 53, Hamburg(1928) 27.

Gottschald

Dolling(er), Dölling(er): ON Dolling(en), Dölling. Doll: bair. "Tal"; Dölle: obd. "Graben", mhd. tol: Doller, Döller, Döllinger. Wendisch delenki "Talstellen". Formen mit u und o könnten sich auch von mhd. dult "Geduld" oder mhd. doln "ertragen" ableiten.

Heintze-Cascorbi

Dollinger III. 1. Der aus Dolling (Oberb.) o. Dollingen (Sachsen) o. Dollinger (Niederb., Tirol), 2. siehe Dallinger.

Naumann

Dölling, Döhling, Delling: Herkunftsname zum ON Dolling, Döllingen oder patron.ÜN: 1379 Dole zu mhd. dol "über-, hochmütig" oder mhd. tollic "töricht, toll"; möglich auch Wohnstättenname zum slaw. Örtlichkeitsnamen dol’nik zu slaw. Dol "Tal".

Förster

Brechenmacher

Forster, =ö=, V=, BN < mhd. forstære, mnd. vorstere = Förster. 1270 Ruod. Forster, zu Konstanz.

Duden

Förster: mhd. forstęre , forster, spätahd. forstāri. Es gehört zu Forst: Die Herkunft des Wortes (mhd. vorst, ahd. forst) ist trotz aller Deutungsversuche unklar. Von Anfang an bezeichnet es den dem König zu Jagd, Holznutzung und Rodung vorbehaltenen Bannwald im Gegensatz zum bäuerlichen Markwald; auch nhd. Forst ist vor allem Bezeichnung des Staatswaldes.

Gottschald

Forst (eigentlich "Bannwald")

Heintze-Cascorbi

Förster III. ahd. forstâri, mhd. vorstaere "Aufseher, Verwalter des Forsts". FN. Förster, ohne Umlaut (wie noch heutzutage in Schwaben und Baiern "der Forster"): Forster, Vorster.

Freundl, Freund

Brechenmacher

Freund, =(d)t, ÜN aus vertraulicher Anrede. An den im 8.Jh. erscheinenden und sogar Fruchtbarkeit entfaltenden altd. Mannsnamen Friunt ist gewiß nicht zu denken. 1267 Henricus Amicus, Bürger zu Rostock. 1281 Ulrich Vriunt, Zinsbauer zu Ebersbach, Kr. Saulgau.

Sehr viele Häufigkeitsnachweise.

Freundchen, mitteld. Freundgen, Diminutiv zu Freund (Mnd. vrent neben vrunt = Freund).

Freund(e)l, Koseform < Freund, s.d., sowie Freundgen. Die Koseform Friundeli (aus dem altdeutschen Mannsnamen Vriunt) kommt zwar noch 1035 als VN vor; gleichwohl ist an Fortsetzung dieser Form als SN nicht zu denken, F. vielmehr als ÜN zu fassen.

Duden

Freund: Wie sein Gegenwort ‚Feind’ ist auch das gemeingerm. Substantiv mhd. vriunt, ahd. friunt ein erstarrtes Partizip. Es gehört zu einem in got. Frijōn “lieben” bezeugten germ. Verb. Neben der alten Bedeutung “Blutsverwandter, Stammesgenosse” (vgl. schwed. Frände "Verwandte[r]) zeigt sich schon in germanischer Zeit der Sinn "persönlicher Vertrauter, Kamerad".

Gottschald

Freundl, Freund (vgl.Feind), schon ahd. Friunt, -ilo, -helm, -scaf.

Heintze-Cascorbi

Freund I.III. schon im 8.Jh. Friunt. (Vgl. frz. Bonami).

Kunze

Freund: Grundsätzlich ist zu beachten, dass viele Wörter heute eine andere, meist eingeschränktere Bedeutung haben als zu der Zeit, als die FN entstanden. Freund(t), Fründ kann auch "der Verwandte" bedeuten.

Gleißner

Gleißner als "nomen agentis", mit der Bedeutung "jemand, der (etwas) glänzend macht", d.h. ein Spiegelschleifer o.ä. (angesichts der vielen Glashütten in der Oberpfalz nicht ganz auszuschließen).

Brechenmacher

Gleisner, Gleißner, nur mehr selten Gleisener, vereinzelt auch Gleis(s)ner, Gleiszner,
1. < ON Gleißen (Brandenb.),
2. in der Hauptsache aber ÜN < mhd. Gelîchsenære = einer, der in der kunst der Verstellung Meister ist. Der erste, der diesen Namen trägt, ist Heinrich der Glîchezäre (1170), ein elsässischer Fahrender, dem wir die älteste deutsche Tierdichtung (Reinhart) verdanken. Da der Dichter sich in seinem Werke den Namen selbst beilegt, so kann Gleisner – dies ist die richtige Form gegenüber dem häufigeren Gleißner – nicht die abschätzige Bedeutung gehabt haben ("Heuchler"), mit der wir das Wort heute umschreiben. Da die Verbreitung des Namens auffallen muss, gebe ich die Geographie genauer. Siehe auch Gleixner. Häufigkeitsnachweis: Wien(1926) 41, Innsbruck(1928 u. 1944) 4, Bregenz(1920), Augsburg(1927), München(1929) 35, Regensburg(1926) 14, Ingolstadt(1927), Bamberg(1928), Stuttgart(1929 u. 1949), Karlsruhe(1928), Mannheim(1926) 28, Ludwigshafen/Rh.(1931), Würzburg(1928), Schweinfurt(1931), Nürnberg(1928) 44, Fürth(1931) 4, Frankfurt/M.(1929) 11, Offenbach/M.(1929), Wiesbaden(1928), Mainz(1927), Gießen(1927), Kassel(1932) 10, Köln(1927), Essen(1926), Bochum(1926), Oberhausen/Rheinld.(1926) 5, Düsseldorf(1928), Dortmund(1926), Barmen(1927), Duisburg(1931), Hamborn(1926) 5, Hannover(1928) 4, Altenburg/Thür.(1926) 6, Gera(1925) 9, Eisenach(1930), Cottbus, Erfurt(1926), Dresden(1931) 4, Leipzig(1928) 11, Chemnitz(1928), Breslau(1927) 10, Halle/Saale(1927), Brandenburg/Havel, Berlin(1928) 27, Herrenberg/Württ.(1930), Hamburg(1928) 7, Königsberg(1927).

Gleixner, bes. bayr. Nebenform von Gleisner, s.d. Häufigkeitsnachweis: Wien(1926) 13, Zürich(1926), Lindau(1927), Augsburg(1927) 5, München(1929) 59, Ingolstadt(1927), Schwabach(1926), Regensburg(1926) 19, Schweinfurt(1931), Nürnberg(1928) 12, Fürth(1931) 4, Frankfurt/M.(1929), Köln(1927), Essen(1926), Bochum(1926), Hildesheim(1926), Hannover(1928), Hamburg(1928), Stettin(1929), Königsberg(1927).

Duden

Gleisner: Der veraltende Ausdruck für “Heuchler” (mhd. glīsnēre, gelīchsenęre), der gewöhnlich auf ‚gleißen‘ bezogen wird, ist eine Bildung zu dem von ‚gleich‘ abgeleiteten Verb mhd. gelīchesen, ahd. gelīhhisōn “jemandem gleichtun, sich verstellen, heucheln”.

Gottschald

Gleißner, Kleißner: mhd. glīsenęre “Heuchler”; älter: gelīchsenaere > Gleichsner, Gleixner.

Heintze-Cascorbi

Gleißner III. "Heuchler".

Schwarz, priv. Mitteilung an Dr. Peter Gleißner

Der Familienname Gleißner gehört entweder zum mhd. glîchsenære "Heuchler" oder zu mhd. glîzen "glänzen, leuchten, gleißen". Dieses z im zweiten Wort ist als ß zu lesen. Es handelt sich um zwei verschiedene Wörter. Da die Belege des Namens Gleißner nur ins 16. Jh. zurückgehen, kann man nicht zu einer Entscheidung kommen, denn seit etwa 1300 sind die beiden Laute (s und z) zusammen gefallen.

 

Gradl

Brechenmacher

Kein Eintrag.

Gottschald

Grad (I): dt.Stamm, zu ahd. grātag “gierig”, Kf. Grado > Grad, Grad(e)l. Im Gegensatz zu Grad (II): slaw.Stamm “Burg, Stadt” (tsch. Hrad), von dem Gradl nicht ableitbar ist.

Heintze-Cascorbi

GRÂDAS I. "begierig", GRÊDUS m. "Gier", davon grêdugaz und grêdagaz "gierig", altnord, grâdr "Begier", ahd. grâtag "begierig". FN aus Gradulf: Grattolf; Gratopp. Einstämmige Kürzung zu Grado. Daraus "Grad" oder als Verkleinerungsform mit –l: "Grad(e)l. Zusammengezogen: Grall; Grell.

Grall

Gottschald

Zu mhd. gral, grel "zornig", nhd. Groll gehören die ablautenden Namen Grill.

Grillmeier

Brechenmacher

Kein Eintrag. Aber: Grill(e).

Gottschald

Zusammensetzungen mit Grill-: siehe Grall und Karl.

Grill(e)

Brechenmacher

Grill(e), ÜN. Es ist eine doppelte Schicht zu unterscheiden.
1. Die vom bayr.-öst.Raum ausstrahlende, zahlenmäßig stärkere Gruppe beruht auf dem Tiernamen und bezeichnet einen körperlich geringen Menschen, der bei aller Unscheinbarkeit die Fähigkeit besitzt, sich eindringlich bemerkbar zu machen. Das griech.-lat. gryllus überschreitet vor 1100 Jahren vom Süden her die bayr.Grenze, breitet sich langsam ins Oberfränkische aus, gelangt im 14.Jh. ins Schwäbische, im 15.Jh. ins Alemannische, im 16.Jh. ins Hessische, im 17.Jh. ins Niederdt. Genau so verläuft die Namengeschichte: mindestens 200 Jahre lang ist der Zuname Grill (urspr. männlich, wie noch heute in einzelnen Mundarten) ausschließlich bayrisch.
2. Die jüngere Gruppe nimmt umgekehrt den weg vom Norden nach Süden. Sie beruht auf dem Adjektiv grell = "wild, ungestüm, leidenschaftlich", wozu auch grillen = "mit hoher, durchdringender Stimme schreien" gehört. Daher hier Wechsel von Grelle und Grille.

Gottschald

8 kleine Orte in Bayern und Österreich.

Kunze

Die Körperform wird oft mit Metaphern umschrieben. Beispiel aus Tirol: Für dürre Menschen Grill "Grille".

Schwarz

Grill: Für Grille, wohl für einen unbesorgt lustigen Menschen. Auch Spottname für kleine magere Leute.

Güntner, Gunther

Brechenmacher

Güntner: Kein Eintrag. Aber: Gunther.

Gunther, =ü=, Ginterle. Der sagenberühmte Name hat eine Unmenge FN ergeben. 1281 Hainr. Dictus Gunther zu Fulgenstadt (Saulgau).

Gottschald

Gunther: Gund: zu ahd. gund "Krieg".

Heintze-Cascorbi

Gunther: GUNÞ, Gunþi, Gunþjô I. weibl. Ahd. gund, as. gûdea, angels. gûþ (gyþ), altnord. gûðr, gunnr "Krieg" (noch im ital. Gonfalone aus gundfano Kriegsfahne). Seit dem 3.Jh. in Namen nachweislich. Die mit K anlautenden Namen lassen sich auch aus Kunja erklären. FN: Günther, Gunther u.v.a.

Linnartz

Gunther, Günt(h)er = Heerekämpfer oder Kampfesheld gehört zu den häufigsten alten deutschen Namen. Schon 864 starb in Köln ein Erzbischof G.; durch die Nibelungensage blieb der Name des Burgundenkönigs wie der der meisten anderen Helden des Nibelungenliedes geläufig und häufig. Bei dem alten dt. Fürstengeschlecht kehrt der VN Günther in ununterbrochener Reihenfolge seit dem 12.Jh. wieder. Hagiologisch wurde der Name für Süddeutschland gestützt durch den hl. Einsiedler Günther, † 1045, Fest 9.Oktober, der im bayr. Walde lebte und im Bistum Passau und in Böhmen viel verehrt wurde. FN: Günt(h)ner u.v.a.

Haberkorn, Haberkern

Bahlow

Korn. Mhd. korn "Fruchtkorn, Getreidekorn". Name für Bauern und Müller. In Zusammensetzungen: oberdeutsch Haberkorn.

Brechenmacher

Haberkorn s. Haberkern. 1393 Wernher H., Bürger zu Ettlingen. Der Name reicht bis an die Wasserkante. 1396 Ludolf Haverkorn zu Greifswald.

Haberkern, ÜN. Enthülste Haberkörner geben den groben Brei der Armen. 1383 Haintz H., Bauer zu Urach.

Duden

Hafer: Der altgerm. Name der bereits seit der Bronzezeit in Mitteleuropa angebauten Getreideart (mhd. habere, ahd. habaro) ist vielleicht eine Ableitung von germ. habra- "Ziegenbock, Bock" und bedeutet dann eigentlich "Bockskorn". Die lautgerechte Form ‚Haber‘, die heute noch in süddeutschen Mundarten Geltung hat, ist in nhd. Zeit durch die niederdeutsche Form ‚Hafer‘ ersetzt worden.

Heintze-Cascorbi

Haber III. die eig. hochdeutsche Form (mhd. haber), wofür jetzt in der Schriftsprache das niederdeutsche "Hafer" durchgedrungen ist; ein Bauernname. FN: Haberkern, Haberkorn u.a.

Kunze

Unter den landwirtschaftlichen Produkten gibt z.B. der Hafer, oberdt. Haber, zu vielen indirekten BN Anlaß: Für den Bauern Haberkern, -korn.

Naumann

Haberkorn: für den Haferbauern, -händler.

Härtl, Härtle

Bahlow

Hart. ahd., mhd. hart "stark, hart". Kose-/Kurzform oberdeutsch-mitteldeutsch (meist zu Hartwig und Hartmann): Härtel(t) bes.schles., Hertel(t), Hartel(t); bair. Hartl.

Brechenmacher

Kein Eintrag zu Härtl. Aber: Hartel und Härtle.

Härtle(in), Koseform aus einem mit Hart= (Hartwig, Hartmann u.ä.) anlautenden VN. 1270 Hartlinus Tarant, zu Bozen = 1266 Hartmannus dictus Tarant.

Hartel, =ä=, < einem mit Hart= (z.B. Hartwig) anlautenden VN. 1467 Martin Hartel zu Bruchsal.

Gottschald

Hart: ahd. hart (Grundbedeutung wohl "stark"; > frz. Hardi "kühn"; mischt sich mit einem zu as. Ard "Wohnort" gehörigen Stamme und mit Erde). Hardwin: Hartwein Kf. Ardo, Herto: Hert(e)l, Ert(e)l.

Heintze-Cascorbi

HARDHUS I. got. hardus, ahd. mhd. hart "hart, fest, stark" (vgl. das urverwandte griech. kρατύς und das von dem deutschen abgeleitete frz. hardi. Schon seit dem 3.Jh. in Eigennamen nachweisbar. FN: Hartmann, Hartmod, Harderich, etc. Einstämmige Kürzung zu (Harto), Ardo. Daraus "Hart" oder als Verkleinerungsform mit –l: Hart(e)l, Härt(e)l.

Schwarz

Härtel: Verkleinerung zu einem mit Hart- zusammengesetzten Personennamen, etwa Hartman.

Karl

Gottschald

Das Wort hieß urspr. "Mann, Liebhaber", v.a. "Ehemann", im Altnordischen bezeichnet es auch "den Freien ohne Erbgut." Wie Caesar Kaiser und Zar, so wurde der Name Karl d.Gr. in Osteuropa zum Königstitel. 1. slawisch Kral, 2. Niederwendisch., poln. Krol: Krol(ik) (Salzb. Groll, Gröll, Grell, Grill).

Kolb

Brechenmacher

Kolb, =e=, ein sehr alter und im gesamtdt. Raum verbreiteter FN, der zweifellos von der derben Waffe ausgeht, dann aber als ÜN einen derbgewachsenen und derben Menschen bezeichnet. 1135 Adilbero Colbo, Bürger zu Köln.
Häufigkeitsnachweis: Wien(1926) 256, Stuttgart(1929 u. 1940) 126, Berlin(1928) 323.

Duden

Kolben, (veraltet:) Kolbe: Das Wort bezeichnete in ahd. und mhd. Zeit die Keule, wie sie speziell den Hirten und umherziehenden Narren als Waffe diente.

Gottschald

Kolben: schon ahd. cholbo "Keule". (Wendisch kolp "Schwan").

Heintze-Cascorbi

Kolbe a) I. von KULLAS I. männl. "rundlicher Bergipfel, Kopf", altnord. kollr "abgerundeter Gipfel, haarloser Kopf"; mnd. kol, kolle "Kopf, oberster Teil von Pflanzen". FN: Colobert, Colomann, u.a. Zweistämmige Kürzung zu Kolbo. Daraus: Kolbe; Kolb. b) III. Cunradus dict. Colbe 1263. Werkzeug; Waffe.

Kunze

Die Körperform wird oft mit Metaphern umschrieben. Beispiel aus Tirol: Für Dicke oder Unförmige Kolb, Kölble "Keule".

Naumann

Kolb: ÜN zu mhd. kolbe "Kolbe, Keule" für einen gedrungenen, dicken, evtl. auch groben Menschen, vereinzelt auch Herkunftsname zum ON Kolba, Cölbe.

Schwarz

Kolb(e): Der Kolben war Abzeichen des Narren. Grober Ausdruck für Kopf oder plumpe Gestalt.

König

Brechenmacher

König, alter und überaus beliebter, bei den verschiedensten Anlässen zugeteilter ÜN. 1135 Herm. Rex, Bürger zu Köln. Der Name hat besonders auch in den unteren Volksschichten eine Heimstätte.

Gottschald

Ahd. kuning, mhd. künic, kün(e)c. Schon althochdeutscher Name? (langobardisch Cunincpert).

Heintze-Cascorbi

König III. häufiger FN, durch verschiedene Ursachen veranlaßt 1. Durch persönliches Hervorragen in der Umgebung (Schützenkönig u.a., jetzt Eisenbahnkönig usw.; Chunrat der Kung ein reicher Bauer in Eimeldingen 1295. 2. Durch namen von Häusern, bes. wohl von Gasthöfen (König von Spanien u.a.). Zum Teil sind diese Namen (Kaiser, König, Fürst, Herzog, Papst, Bischof, Mönch, etc.) gewiß von Haus-, namentlich Wirtshausschildern entlehnt. Man denke auch an Schützenkönige, Maikönige, Schleifpfaffen (Schleifen: Beförderung eines Lehrjungen zum Gesellen. Schleifpfaffe: Altgeselle, der die Gesellenweihe anführt) u. dgl. Mönch konnte auch jemand heißen, weil er im Kloster gewesen war oder neben dem Kloster wohnte, aber auch spottweise wegen seines Aussehens. Oder er hatte bei Fastnachtsspielen u. ähnl. die Rolle des Kaisers usw. gespielt. Hans "Hias" Hildebrand erklärte es nach der (Fastnachts)Spiel-Version.

Kunze

Auch ÜN wie König werden großenteils Beziehungen zu einem entsprechenden Herrn als Höriger, Lehensträger usw. ansprechen, vgl. Zusammensetzungen wie Königslehner, Papenbur ("Klosterbauer").

Schwarz

König: Bauer auf Königsgut oder Oberster in einer Gemeinschaft.

Tressel

König (ÜN): Bauer auf einem königlichen Gut (~ Kaiser, Graf usw.).

Kraus, Krauß

Bahlow

Kraus(e). Der Kraushaarige. Oberdeutsch und mitteldeutsch, und zwar die Form ohne e süddeutsch, die mit e mitteldeutsch.

Brechenmacher

Kraus, =ß, ÜN < mhd. mnd. krûs = gelockt (vom Haar). 1222 Marquardus Crispus = 1225 Marqu. Cruse. Hier und da faßt sich ein K. als mhd. krûse = irdenes Trinkgefäß.

Gottschald

  1. "Krug"
  2. "kraushaarig" (mundartlich auch "jähzornig").

Heintze-Cascorbi

Kraus, Krauß III. 1. Von dem Eigenschaftswort, der "Kraushaarige" (Crispus). Hainrich der kruse 1304. FN: Krause; Kraus (letzteres südd., z.B. in München 1876: 44mal Kraus und Krauß, Krause nur 3mal, dagegen in der Preuß. Rang- und Quartierliste von 1874 Krause 50mal, Kraus (Krauß) nur 4mal). 2. Der "Krug"; so namentlich in den Zusammensetzungen Steinkraus "Steinkrug"; Füllekrus; Lehrenkrauß.

Naumann

Kraus: ÜN zu mhd., mnd. krūs “kraus, gelockt” für einen Menschen mit lockigem, krausem Haar; selten ÜN zu mhd. krūse “Krug, irdenes Trinkgefäß” für den Töpfer oder den Händler.

Schwarz

Kraus: von mhd. krûs kraus, gelockt. Krause ist die flektierte Form. Gehört zu den häfigsten FN des 15. und 16.Jh.

Tressel

Kraus (ÜN): obd. Krauskopf, -haar.

Maier, Meier, Mayer, Meyer

Bahlow

Meier. Aus lat. maior [villae] "Gutsverwalter", bes. Großbauer, Pächter. Das Meierwesen war am meisten entwickelt in Westfalen-Hannover und in Bayern-Württemberg. Daher dort auch der FN zu Hause, während in Mitteldeutschland (Hessen bis Schlesien) Hofmann, schles. Hoffmann an seiner Stelle steht. Nach der Schreibung verteilen sich die Meier-Namen wie folgt: ey, ei, ej ist westfäl.-hannöversch (Mejer westf. Noch heute mit j gespr.); z.T. auch südwestdt. Wie Meyr, Meir. Ay, ai ist oberdeutsch-bayrisch-österreichisch, z.T. mit Kürzung der Endung –er>-r: May(e)r, Mai(e)r.

Brechenmacher

Meier (mayer, Meyer, usw.). Die merowingischen Franken übernahmen im 5.Jh. aus galloromanischem Munde die Amtsbezeichnung Major (= der Größere, Höhere). Im Ahd. wird daraus Meior, im Mhd. Meier (Meiger). Vom 12.Jh. an ist der M., bes. im schwäb.-alem. Raum, ein grundherrlicher Beamter, der die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Hofgüter führt. Die volle Entfaltung des Namenswortes Meier würde ein Buch fordern. Ich verweise auf meine Monographie "Der Sippenname Meier", Stuttgart 1940. Bei den ältesten Belegen ist ungewiß, ob es sich nicht um das nomen appellativum handelt, z.B. 1172 Heinr. Villicus et Uodalr. Villicus, Bürger zu Zürich. Von den mannigfachen Formen des Namens in den alten Urkunden sind die gewöhnlichsten Meiger und Maiger (über Maijer), selten Megir und Mager, zuweilen mundartl. Moar (bayr.=tirol.), Moiger, Moier (schwäb.). Die regelrechte Übersetzung des Namens ist Villicus.

Gottschald

Meier: < mlat. Maior (villae), daher gleicher Herkunft wie nhd. Major, engl. mayor, frz. maire. Urspr. Verwalter des herrschaftlichen Haupthofes, erhielt im 11./12.Jh. oft den Hof als Lehen, trat gelegentlich in den niederen Adel über. Die Haupthöfe wurden oft geteilt (Ggs.: Vollmai(e)r), neue Meierhöfe begründet; der Meier wurde zum Erbpächter, aber nur ausnahmsweise "abgemeiert". Schließlich wurde Meier vielfach überhaupt = Großbauer und Pächter. Der Schreibweise nach sind die Namen mit e meist nord- und südwestdeutsch, die mit a bairisch.

Heintze-Cascorbi

Meier III. a) als christlicher Name aus dem lat. major, in dem Sinne von major villae oder villicus, d.i. zunächst Aufseher oder Verwalter eines Landgutes. In Westfalen entwickelte sich (nach Franz Meyer) das Verhältnis etwa folgendermaßen. Karl der Große hatte die fränkische Einteilung des Bodens in mansi auf das Sachsenland übertragen. Der ganze bebaute Boden mit allem Zubehör an Wald, Weide usw. hieß bei den Franken lat. villa, deutsch marka, enthaltend in der Mitte den Sitz des Freien (hûs) mit umliegender huobe, wovon die liti ihre mansi bekamen. Der Haupthof (fränk. Sala, später lat. curia) bekam von dem Gutsherrn, wenn er selbst als ministerialis am Hofe oder als Krieger im Felde war, einen villicus, der den Herrn vertrat. Die Abgabe der mansi heißt census (Zins, vom villicus erhoben), debitum (Schuld, vom Schultheiß erhoben), officium (Pflicht, Amt, vom Amtmann erhoben). Der den Haupthof bewohnende Villicus war also entweder nur Wirtschafter und hatte einen scultetus und officiarius neben sich, oder er übte auch deren Rechte selbst aus. Hatte er mehrere Höfe zu verwalten, so hatte er wohl wieder einen Unter-Villicus auf dem Vorwerke. Seit dem 11. und 12.Jh. wurden die villici fast überall auf bestimmte Leistungen gesetzt, weil sie oft in den eigenen Geldbeutel wirtschafteten. Nun entstand bei der Bemeierung eine Art Lehnverhältnis, wobei der Herr gelobte zu schützen, der Villicus treu und hold zu sein. Während der Landesherr durch Vögte und Gografen richtete, bestand das Gemeindegericht des Villicus auf dem Thy häufig daneben. Manche Villici schwangen sich zu Rittern auf (zum Stande des niedern Adels) und emanzipierten sich völlig (so in der Schweiz die Meyer von Konau, v.Siggingen, v.Windeck), so daß die Herrschaft sich genötigt sah, die Abgaben von den mansi selbst einzuziehen. Wo sie es konnten, zerstückelten sie daher den Haupthof gegen pacht, und nun bildete sich das eigentliche Meierrecht. Neue Mansen entstanden durch Waldrodung, Haupthöfe wurden in Kotten zersplittert, bes. seit dem 14. und 15.Jh. Die Hofbesitzer hießen nun Meier, welche an Stelle des Villicus Teile der alten Villikation besaßen, oft nur auf bestimmte Zeit. Schließlich ward das Verhältnis doch allenthalben erblich; die Meier tarten eben in Erbpacht und wurden dauernde Besitzer, wenn auch nicht Eigentümer der Höfe. Das Recht der Abmeierung, welches die Herren besaßen, war, abgesehen von bestimmten Fällen, wo klare Gründe vorlagen, eigentlich nur theoretisch noch vorhanden.
So in Westfalen, und in Süddeutschland ist wesentlich dasselbe Verhältnis gewesen.
Das Meiertum ist am reichsten entwickelt gewesen in Westfalen, Hannover, Baiern, Württemberg. Von dort stammt die Fülle dieser FN.
Je häufiger in einer Gegend die Meierwirtschaft, desto häufiger natürlich der Name. Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er in Hannover nirgends häufiger als im Hoyaschen und Osnabrückischen. Hier gehören die Meierhöfe meist zu den größten, weil die Meier, das Land der Herren bewirtschaftend, leicht mehr hatten als freie Eigentümer, zumal wenn sie Besitzer von Vollhöfen (heile Erven) waren. Manche Meier hatten ganz hervorragende Rechte in ihrer Markgenossenschaft.
In Ostfriesland dagegen, wo die Meier nicht als Pächter der freien Bauern sind, haben sie vorwiegend die kleinsten Besitzungen.
Was nun die Schreibweise des Namens anlangt, so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, was überhaupt mit so wenigen Buchstaben zu leisten war. An das urspr. Major, das sich auch noch als FN findet, schließen sich die süddeutschen Formen am nächsten an: Majer; Mayer, Mayr, Maier, Mair; in Nordeutschland am häufigsten Meyer, außerdem Meier, Meyr, Meir; Mejer. Die übrigen Ableitungen, die Dimin. Mayerl, Meyerlein, die Patronymika Meyering, Meiring erscheinen als zweifelhaft und dürften, bes. die letzteren, eher zu dem Stamme Mag gehören.
b) Als jüdischer Name (VN und FN) aus hebr. Me-ir "erleuchtend". Schon bei Josephus, jüd. Krieg VI, 5,1 ein Mήiroς 70 n.Chr., dann φfters in den Namen von Gelehrten des Mittelalters, so im 12.Jh. der Bibelerklärer Samual ben Meïr.

Tressel

Meyer, Mayer, Maier, usw. (BN): vom Lateinischen »major villae«, Verwalter, Pächter von Höfen; Bewirtschafter des Hauptgutshofs, Gutsverwalter, Aufseher über das bäuerliche Abgabewesen, auch Erbpächter.

Nestler

Bahlow

Nestler. Lieferte die Schnürbänder (mhd. nestel) für Mieder und Schuhe. Auch Nessler.

Nießer

Brechenmacher

Siehe Nies, =ß, 1. < TN Dionysius, 2. < mhd. nieß = der den Nieß, d.h. die Nutznießung hat. 1327 Adelheid Nyesser zu Scheer.

Nißle

Brechenmacher

Nißle(in) < TN Dionysius. 1530 Toma Nißly, Schmied in Ulm.

Linnartz

Dionysius, griech.= der Dionysische, der dem Gotte Dionysos Geweihte. Der hl.D., frz. St.Denis, † 272 als Märtyrer, Fest 9.Oktober, war der erste Bischof von Paris. Mit Martinus ist er der Schutzpatron Frankreichs wie Michael derjenige Deutschlands, und "St.Denis" war ehemals das Feldgeschrei der Franzosen. Seine Verehrung drang nach England und über den Rhein und das alte Frankenland hinaus in ganz Deutschland ein. Er gehört zu den 14 Hothelfern. Noch heute ist Dionys im Westen, besonders in der Aachener Gegend, TN. Aus der frz. Verkleinerungsform Dénisard wurde Nisard. FN: Niss(e)l, Ni(e)ßle(in), Nüßle (bayr.)

Nistler

Brechenmacher

Kein Eintrag. Aber Nießer, Nißle, Nößer, Nüscheler, Nüßle und Nüßler.

Gottschald

Nis- von Dionysius und Nicolaus.

Dionysius: gr. "dem Gott Dionysius gehörig", erster Bischof von Paris (Saint Denis) > Formen wie z.B. Nieß(e)l, Nißl, etc.

Nicolaus: gr. "Volkssieger", Bischof von Myra in Kleinasien. In der 2. Hälfte des Mittelalters der volkstümlichste Heilige nächst Johannes, daher unzählige Formen.

Heintze-Cascorbi

Niss- siehe Dionysius.

Schwarz

Nistler, 1512 Hans Nistler. Für den Vogelfänger.

Nößer

Brechenmacher

Nößer = Kleinviehhalter, zu mhd. nôß = Nutzvieh, bes. Kleinvieh. 1498 Aberlin N. zu Hochdorf (Vaihingen).

Nüscheler

Brechenmacher

Nüscheler, alem. Siehe Neusch(e)ler, ÜN = Mensch, der im Essen wählerisch ist. Zu mhd. niusen = prüfend kosten. Von hier aus geht die Bezeichnung auch auf schwerfällig sprechende (stammelnde) und wohl auch umständlich arbeitende Menschen über, die die Worte gleichsam kauen. 1557 Ottmar Nuscheler, Sohn des † Caspar Nuscheler aus Füssen, heiratet in Tübingen.

Nüßle

Brechenmacher

Nüßle(in), 1. Zum Flurn. Nüßle (Haselnußgebüsch), 2. = Nißle(in). In den Hexenprozessen kommt Nüßle als Name des Teufels vor. 1492 Balthus Nüßlin zu Cleebronn (Brackenheim).

Nüßler

Brechenmacher

Nüßler < Flurn. Nüßle ("im Nüßler"). 1446 der Nusseler zu Mühlegg (Sonthofen).

Heintze-Cascorbi

Nüßler III. (mit stimmhaftem s-Laut, niederd.) einer, dem die Arbeit nicht von der Hand geht, der emsig ist und doch nichts beschickt.

Pogner

Brechenmacher

Bogner, Bög(e)ner, bayr. Pogner, BN < mhd. bogenære = Bogenschütze, Bogenschneider. 1237 Otto Boginär zu Augsburg = 1246 Otto Bogenarius. In Bayern konkurriert der mehrfache ON Bogen.

Gottschald

Bogen: 1. Zu ahd. bogo, mhd. boge "Bogen" (Waffe), zu "biegen" > Bog(n)er (meist Bogenmacher"). 2. Fluß-, Bach-, Wegbiegung > ON Bogen/Bay.

Heintze-Cascorbi

Bogner III. 1. Der aus Bogen (ON, auf eine Biegung, in der Regel eines Flusses oder Baches, gehend. 2. "Bogenmacher".

Rasp(e)

1. der Raffer, der Habgierige

2. als BN für jemanden, der eine Raspel herstellt oder damit arbeitet

3. Rispe des Taubhafers, daher könnte R. einen Bauer bezeichnen

Werner

Der Name Raspe wird in der Forschung von ahd. Raspôn abgeleitet, was so viel bedeutet wie: "der Raffer, der Raufbold, der tapfere Kämpe" und stellt in letzterer Bedeutung einen Ehrennamen dar. Bei den Ludowingern bzw. den ludowingischen Landgrafen von Thüringen begegnet der Beiname Raspe seit dem frühen 12.Jh. (freilich nicht urkundlich belegt bei dem 1130 verstorbenen Heinrich Raspe I., Sohn Ludwigs des Springers) durchweg und ausschließlich in Verbindung mit dem Namen Heinrich, der fast durchweg dem zweitgeborenen Sohn beigelegt wurde. Der erstgeborene Sohn erhielt bis einschließlich Ludwig IV. (1200-1227) den Leitnamen Ludwig. Ludwigs IV. zweit- oder drittgeborener Bruder Heinrich Raspe (IV.), der seinem Bruder 1227 in der Regierung der Landgrafschaft folgte, 1246 zum König erhoben wurde und 1247 kinderlos starb, war der letzte Landgraf dieses Namens.

Außerhalb der Ludowinger-Dynastie kann ich den Namen in Thüringen 1262 auch als Beinamen zu Heinrich und 1286 als Beinamen zu Rudolf nachweisen, vgl. Dobenecker III Nr.2988, und IV Nr.2529. Inwieweit der Name Raspe im 13./14.Jh. auch als eigenständiger Name verwandt wurde, kann ich mit dem mir zugänglichen Material nicht entscheiden. Doch zeigen bereits die thüringischen Belege zu 1262 und 1286, daß der Beiname nicht auf die Ludowinger beschränkt war, so daß er als zwingendes Indiz für Verwandtschaftszusammenhänge mit den Ludowingern ausscheidet.

Rösler

Brechenmacher

Rösler, s. Rößler, 1. = Rosenzüchter, 2. Wie der Flurn. Röselen zu mhd. rœße = Stelle mit Wasserlache, wo Hanf und Flachs mürbe gemacht werden. 3. < dem Hausnamen zur Rose. 1284 Counr. Dictus Röseler, Bürger zu Villingen.

Rößler

Brechenmacher

Rößler, von Rösler schwer zu trennen, 1. Roßbauer oder der mit Pferden zu tun hat. 2. südd. auch = Salzfuhrmann. 1340 Walther Rößeler (sel.) zu Horrheim (Vaihingen).

Gottschald

Rößler < Roß: "Pferdeknecht, -händler, Fuhrmann".

Heintze-Cascorbi

Pferdehalter und Fuhrleute bedeuten wohl die FN Roßmann; Rösser; Rößiger; Roßner; Rößner; Rößler (auch "der aus Rössel oder Roßla"); Rösselmann.

Naumann

Rößler: BN zu mhd. ros, ors "Roß, Streitroß, Wagenpferd" für einen, der mit Pferden zu tun hat.

Scharnagl

Bahlow

Schaarmacher s. Schaarschmidt. Desgl. Scharmann.

Vgl. Schareis(e)l, Schoreis (breslau um 1350); Scharnag(e)l, Schornagel (obd.) Bay., Schles., Heinrich Scharnagl 1340 Eger.

Georg Ortner

Slaw./tschech. černy = schwarz + Nagl = Nickl = Nikolaus, also = schwarzer Niklas; vielleicht im alten Egerland eine volkstümliche Figur ähnlich unserem Kinderschreck, “schwarzer Mann” und “böser Nikolaus”. In Eger gab es übrigens 1934 eine Bier- und Weinstube “Schwarznickl"!

Georg Mooseder, Prominente Münchenre aus der Oberpfalz, in: BBLF 61 (1998)

Schmeller

Brechenmacher

Schmelle(r), Schmelcher, < ÖN zu mhd. smelehe = Schmiele, eine Grasart. 1430 Mathias Smeler aus Owen (Teck). Der Germanist Johann Andreas Schmeller (1785–1852) stammt aus Tirschenreuth, wo, wie überhaupt in der Oberpfalz, die mit Schmellen bestandenen Wiesgründe Schmeller heißen.

Gottschald

Schmeller, siehe Schmelcher und Schmoller

Schmelche: "Grasart Schmiele"; bair. Schmelchen. Schmelch(en), Schmelcher, oberpfälz. Schmeller, Schmelmer.

Schmeller

Die Schmelchen ([SchmƏlhƏ~], auch wol [der SchmƏlhƏ‘, SchmƏllƏ‘]), die Schmiele, aira, poa, agrostis; Gras überhaupt, das dünn und langhalmig ist; (mhd. smelehe, ahd. smaliha;…). … Im Scherz werden lange Beine Schmelchen genannt. …Und auf ein solches wird auch das in der Oberpfalz als Eigenname von Wies- und Waldgründen gewöhnlich "Schmeller" geschriebene Substantiv [SchmƏllƏ‘] zurückzuführen seyn. (2 Rittergüter Schmellen im Bautzener Kreise der Oberlausitz; Kloster Schmöllen im Altenburgischen). In des Grafen Sternberg Geschichte des böhmischen Bergbaues soll Schmeller die Benennung eines Bergmannes gewisser Art seyn; (Jos. Bergmann, 12. Aug. 1845). "Guilelm. Schmell in Eichstett; Fris. 641 (sec. XV.), fol. Antepenult. Hans Smaller, Steuerherr und Stadtschultheiß zu Regensburg, enthauptet 4. April 1519; (Tanner’s Ms. f. 137). Smoler, der mit L.Haupt die lausitzischen Volkslieder herausgibt (1842), nennt sich im Deutschen Schmaler. Waclaw Smiller Wedaucj, (Wenzel Schmiller, Geschäftsführer, scil. der Anstalt im Stögerischen Garten zu Prag; Oktober 1842). Ein Maler Schmeller in Weimar. Im Weimarer Staatshandbuch für 1843, S.114 ein N.N. Schmeller als Gärtner in der Landes-Baumschule daselbst. Wien, 19. July 1836: passierte das nach Gallizien instradierte Chevau-legers-Regiment Schmeller hier durch. Allgem. Ztng. v. 26. Juny 1836. (Cf. Slaw. čmel štmel, čmela, die Hummel).

Schmolka

Gottschald

Schmolka: 1. wend. smol(k)a "Pech". Schmol(l)ke, Schmolck; tsch. smula: Smola. 2. jüd. Schmolka < Samuel.

Schmoller/Schmöller

Brechenmacher

Schmoller, =ö=, 1. ÜN < mhd. smollen = (urspr.) lächeln, dann "im Unwillen den Mund verziehen". 2. < mehrf. ON Schmollen (Schles.). 3. Ostmitteld. < slaw.Stamm smola = Pech(gewinner), Teer(brenner). Die Familie des schwäb. Volkswirtschaftlers Gustav Schmoller (1838–1917) stammt aus Thüringen und kam im 30jährigen Kriege nach Süddeutschland. Gustav Schmoller selbst übersetzte seinen Namen mit Kohlenbrenner.

Gottschald

Schmoller: 1. ON Schmollen, Öls. 2. < schmollen "das Gesicht (zum Lächeln) verziehen". Schmöller, Schmeller.

Schneider

Tressel

Schneider (BN): Berufsbezeichnung. Sehr häufig in ganz Deutschland.

Schrems

Brechenmacher

Kein Eintrag

Gottschald

Schrems: ON. N.-Österr., Graz. Schrembs, Schremser.

Anm.: Das niederösterreichische Schrems mit ca. 6.000 Einwohnern liegt im Waldviertel an der Grenze zur Tschechei und nennt sich selbst "Granitstadt".

Schmeller

Schräm, schrem, adj., schräge, schief; (ndrs. Schrem). … Gewöhnlicher ist die Adv.-Form: schräms, geschräms [gschráms], seitwärts; gschráms, über Quer. "Und Joseph gêt Ə~ weng schrems voni," avertit se parumper (Übers.: wendet sich für einen Augenblick ab); … . "Dei~ Handochs mit`n SchwaƏf schlágt, Əs sticht `n Ə~ Brems; gê, jàg eƏmƏ~ wéckƏ~, sunst gêt Ə‘ dƏ‘ schrems;" … Nach der Schräms, nach der Quere.

Wiesinger

Geht wahrscheinlich auf den Namen Schrems im niederösterreichischen Waldviertel aus slaw.

*Skremelica/Skremenica von slaw. kremen 'Stein' zurück. Es müssen FN nicht immer als Herkunftsnamen auf -er ausgehen, zumal es auch PN mit "von ..." gab.

Sommer

Brechenmacher

Sommer, alt stets Sum(m)er, vieldeut. Zeitname, z.T. auch "der auf der Sommerhalde". 1190 Sygehard der Sumer.

Gottschald

Sommer: schon ahd. sumar.

Heintze-Cascorbi

Sommer I. III. schon im 8.Jh. Sumar. In örtlicher Zusammensetzung wie Sommerhalde bezeichnet es die Südseite, sowie Winter- die Nordseite.

Kunze

Sommerer, Summerer "Knecht für den Sommer"

Naumann

Sommer: 8.Jh. Sumar, 1190 der Sumer, 1292 Somer. ÜN zu mhd. sumer "Sommer" wie Winter, Herbst, vereinzelt auch zu mhd. sum(b)er, sum(m)er "Geflecht, Korb; Handtrommel, Pauke".

Schwarz

Sommer, mhd. sumer Sommer. Vielleicht nach einem Spiele, wo der Sommer mit dem Winter zu kämpfen hatte.

Tressel

Sommer = Jahreszeitenname, der mit der beruflichen Tätigkeit im Sommer zu tun hat. Sehr häufig in ganz Deutschland, v. a. aber im N. (Vgl. Kunze)

Stock

Brechenmacher

Stock, 1. < ÖN zu mhd. stoc = Baumstumpf, Grenzpfahl. Allein in Württemberg ist Stock/Stöckle 67mal Flurname. 2. ÜN zu mhd. stoc = Baumstumpf, Klotz; übertr. bes. "eigensinniger Mensch, steifer Kerl". 1300 Herm. Stoch aus Andersleben (Prov.Sa.).

Gottschald

Stock: 1."Baumstumpf" (Ausroder, Rodungsbewohner). 2. "Holzklotz > unhöflicher Mensch". 3. "Pfahl, Bildstock". 4. "Gefängnis" (Stockwärter, -meister). 5. Mehrfacher ON.

Heintze-Cascorbi

Stock III. 1. ON ahd. stoch, mhd. stoc "Baumstumpf" – geht zwar meist auf die stehengebliebenen Wurzelstöcke gefällter Bäume; doch ist in manchen Fällen auch die Bedeutung "Berg" in Betracht zu ziehen. Hugo dictus Stoch in Basel vor 1299 "ein Eigensinniger". 2. Pflanzen und Geräte: FN Stock.

Naumann

Stock: 1. < ON, ÖN Stock "Baumstumpf, Grenzpfahl, Gefängnis". 2.ÜN für einen schwerfälligen, steifen Menschen.

Schwarz

Stock, mhd. stoc Stock, Knüttel. Für steife, starrköpfige Menschen. Vgl. steif wie ein Stock.

Uhl/Ulrich

Brechenmacher

Uhl, =e, beliebte Kurzform von Ulrich, in lat. Urk. öfters Vol (= Uol) und Velius (Üele) geschrieben und dann falsch gedeutet. 1253 Wernh. Cognomine Ule, zu Ladenburg (Mannheim).

Heintze-Cascorbi

ÔÞALAZ I. sächsisch, ahd. uodal, as. ôdhil, angelsächsisch ôþel, êþel "Erbgut; Heimat"; in Namen fast immer zu Ul-, Ol- zusammengezogen. (vgl. as. ôd, ahd. ôt- (in ôtag reich), "reicher Erbbesitz, Erbgut". Noch in Allod = Allbesitz)). Aus Uodalrich wird FN Ulrich, Einstämmige Kürzung Oþal-: Udilo, Udo wird zu FN Uhl.

Linnartz

Ulrich aus U(o)dalrich, Kurzform Uhl, Uhlig bedeutet Herrscher über das Erbgut, den Erbhof, Gutsherr, Freigutsbesitzer. Dieser alte deutsche VN, der in den ober- und niederdeutschen Urkunden des Mittelalters anzutreffen ist, hat einen ungeheueren Aufschwung und eine von Augsburg ausgehende seltene Volkstümlichkeit durch den Augsburger Bischof Ulrich gefunden, der am 4.Juli 973 starb und schon 993 heilig gesprochen wurde. Ihm wurde ein wesentlicher Anteil an dem Siege Ottos des Großen über die Ungarn auf dem Lechfelde am Laurentiustage, dem 10. August 955 zuerkannt, wo er im vollen Ornat die Bürger Augsburgs zum Kampf anfeuerte. Zahlreiche Orte wie St.Ulrich in Südtirol, Ulrichen in der Schweiz und Ulrichsberg,- brücke,- dorf,- stein usw. erinnern an ihn. Ulderich, Hulderich wurde volksetymologisch umgedeutet zu Huldreich, einem VN, den bekanntlich auch Zwingli hatte. Der VN Ulrich war schließlich so häufig, daß jemand Ulrich, Uz nennen, uzen in demselben Sinne gebraucht wurde, wie jemand Hans nennen oder hänseln. FN: U(h)lrich, Uhl u.v.a.

Naumann

Ulrich: ahd. uodal-rihhi "Besitztum" + "Herrschaft, Herrscher, Macht, Gewalt; Reich; reich, mächtig; hoch". Kf. Uhl.

Wifling

Brechenmacher

Wiffling(er) < mehrf. ON Wifling und Wiffling (Bay.). 1560 Tentzel W., Walker zu Kempten.

Gottschald

(wīfe): “Merkzeichen, Strohwisch”. Wife(l), Weife, Wifling.

Wilfling

Brechenmacher

Wilflinger, Wülf=, < ON Wilflingen (Württ., Kr. Riedlingen u. Aalen; Baden, Kr. St.Blasien; Hohenz., Kr. Hechingen); Wülflingen, Kt. Zürich. Zum bad. Wilflingen gehört 1294 Burcart der Wülflinger zu Pfullendorf.

Gottschald

Wilf-: siehe Wolf Kf. und Willifried.

Wolf

Brechenmacher

Wolf, =ff, 1. Kurzform eines mit Wolf= anlautenden VN (bes. häufig < Wolfgang). 2. < Hausnamen, z.B. in Freiburg/Breisgau 1460 Haus zum Wolf. 3. Gewiß nur selten ÜN = wilder Mensch. 1135 Nivelung Wolf, Bürger zu Köln.

Gottschald

Wolf: zu ahd. wolf, as. Wulf "Wolf". Eigene Zusammenfassung: Es gibt unzählige VN mit Wolf-, deren Kf. "Wolf" zu folgenden FN führte: Wölfl(e), Wülfing, Wilfing(er), etc.

Heintze-Cascorbi

WULFAS I. männlich, gotisch wulfs, ahd. mhd. wolf, as. wulf "Wolf", das dem Wuotan heilige Tier (Nach der Edda sind zwei Wölfe, Geri und Freki (gierig und frech d.h. kühn), und zwei Raben, Huginn und Muninn (Gedanke und Erinnerung), Odins/Wotans ständige Begleiter. Jene begleiten ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf windschnellem achtbeinigem Rosse Sleipnir auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und siegverkündendes Tier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller unserer Literatur den Namen: Wulfila (Ulfila, Wölflein d.i. etwa der kleine Wolfgang), der westgotische Bischof und Bibelübersetzer aus dem 4.Jh. Seit dieser Zeit in Eigennamen nachweisbar, über alle deutschen Stämme verbreitet. Große Zahl von FN aus Zusammensetzungen wie Wolfgang, Wolfbrand, Wolfgard, Wulflaib, etc. Einstämmige Kürzung zu Vulfo. Daraus patronymische Ableitung: Wülfing; Wölfing. Verkleinerungsform mit l: Vulfila. Daraus entwickeln sich FN wie Wolfel; Wölfel; Patronymische Ableitung: Wölfling.

Linnartz

Wolfgang, Kehrform Gangolf, obd. Kf. Wolf, Wölflein, Gangel, ist der, der mit dem Glück verheißenden Wolfe geht. Der Name hat besondere Bedeutung erlangt durch den hl. Bischof W. von Regensburg, den Erzieher Heinrichs II. des Heiligen und Gründer des Bistums Prag, † am 31. Oktober 994. Die Verehrung diese volkstüml. Heiligen verbreitete sich von Regensburg über ganz Bayern, Schlesien, Österreich, Böhmen, Schwaben bis in die Schweiz und nach Westdeutschland. Und da er zu den 14 Nothelfern zählte, nahm sein Kult im 14. und 15.Jh. wieder einen besonderen Aufschwung. FN: Wölfling, Wolfling(er), Wölf(f)ing, Wulfing, Wölf(f)(e)l, Die Kf. sind alle mehrdeutig. Sie können 1. Zum selbst. VN Wolf, frz. FN Loup, Dimin. Loubet, span. Lopez gehören, 2. Zu Wolf-gang, -hard, -ram, 3. ÜN wie latin. Vulpes, Lupus sein und dann gleich dem FN Zorn, der den Zornemütigen meint, 4. Hausnamen "zum Wolf", 5. Wie besonders auch Wolf(en)so(h)n, Wulfso(h)n Judennamen. In letzterem Falle stehen sie meist für Benjamin, der in der Bibel "ein reißender Wolf" heißt.

Wülfing

Brechenmacher

Wülfing, patronym. zu VN Wulf, der ältesten Form von Wolf. 1359 Nikl. W., Bürger zu Ofen, urkundet zu Wien.

Gottschald

siehe Wolf

Wölfl

Brechenmacher

Wölfle(in), seit alters beliebte Koseform von Wolf. 1227 erbaut der kaiserliche Schultheiß Wölfelin die Burg Kaysersberg (O/Els.). Kommt auch als Lupulus vor.

Linnartz

Wolfgang

Naumann

Wölfl: Demin. zu Wolf: 1.Kf. zu VN auf ahd. Wolf-. 2. ÜN zu Wolf. 3. Herkunftsname zu einem Hausnamen ("Haus zum Wolf", etc.)

Zelch

Brechenmacher

Zelch: kein Eintrag. Aber Zilch.

Zilch < TN Zyriak. 1585 Hans Z., Landschreiber zu Heidelberg.

Gottschald

Zelch: < TN Cyriakus: gr. "dem Herrn gehörig" Märtyrer 309, Nothelfer.

Linnartz

Zilch: Cyriakus, griech. = Dominikus, dem Herrn gehörig. Der heute längst ausgestorbene Name geht zurück auf den hl. Märtyrer unter Diokletian C., † um 303, Fest 8. August. Er ist Patron des Kirchenstaates und erfreute sich auch in Deutschland außerordentlicher Verehrung, seitdem Kaiser Otto I. einen Arm nach Bamberg gebracht hatte und seitdem sich vielerorts, so z.B. in Altdorf im Elsaß, in Neuhaufen bei Worms, in Geseke in Westfalen, in Siegburg im Rheinland usw. Reliquien befinden. Er gehört auch zu den 14 Nothelfern und wurde als Märtyrer im Todeskampf verehrt und gegen böse Geister, weil er die Tochter Diokletians von der Besessenheit befreit haben soll. So hat ihn auch Matthias Grünewald dargestellt. FN: Zilch, Ziehl u.v.a.

Schmeller

Der, auch die Zelg, Zelch, (Oberpfalz, Nürnberg) Ast, Zweig; (mhd. der zelge, zelch, ahd. zuelga, ndrd. telge, ags. telga).

zelgen, zelchen, (Oberpfalz, Nürnberg) das Feld bestellen, nachdem es zur Brache gelegen, was gewöhnlich je um das dritte Jahr geschieht, die sogenannte Dreyfelderwirthschaft treiben; (ags. tilian, tiligan, engl. to till).

Die Zelg, a) (Allgäu) die Bestellung des Feldes, das Pflügen zur Saat; b) das bestellte Feld, insoferne es nach der üblichen Dreyfelderwirthschaft den dritten Theil der Gesammtflur ausmacht; c) der dritte Theil der Flur überhaupt. Korn- oder Winter-Zelg, Haber- oder Summer-Zelg, Brach-Zelg.

Quellen

Bahlow, Hans: Deutsches Namenbuch. Neumünster in Holstein: Wachholtz, 1933.

Brechenmacher, Josef Karlmann: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen. 2., von Grund auf neugearb. Aufl. der "Deutschen Sippennamen" (Bände 5-9 der Sippenbücherei). Limburg a.d.Lahn: Starke, 1957-63.

Duden, Duden Bd.7 "Etymologie": Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. 2., völlig neu bearb.u.erw.Aufl., Mannheim: Dudenverlag, 1989.

Gottschald, Max: Deutsche Namenkunde. Berlin: de Gruyter, 1982.

Heintze-Cascorbi: Die deutschen Familiennamen. 6., verb. und verm. Auflage. Halle/S.: Buchhandlung des Waisenhauses, 1925.

Kunze, Konrad: dtv-Atlas Namenkunde. 3. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2000.

Linnartz, K.: Unsere Familiennamen (II) – aus deutschen und fremden Vornamen im Abc erklärt. Bonn und Berlin: Ferd. Dümmlers Verlag, 1939.

Naumann, Horst (Hrsg.): Familiennamenbuch. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1987.

Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch. Sonderausgabe der von G. Karl Frommann bearbeiteten 2.Auflage München 1872-1877. München: Oldenbourg, 1996.

Schwarz, Ernst: Sudentendeutsche Familiennamen des 15. und 16. Jahrhunderts, Handbuch der Sudentendeutschen Kulturgeschichte (6.Band). München: Lerche, 1973.

Tressel : http://www.ungarndeutsche.de/Familiennamen.htm

Werner, Prof.Dr.Matthias, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Historisches Institut, Mittelalterliche Geschichte/Thüringische Landesgeschichte: persönliche Mitteilung, 2002.

Wiesinger, Univ.Prof. Dr. Peter, Universität Wien: persönliche Mitteilung, 2002.

 

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