Kohlschreiber

Genealogie und Geschichte

im Großraum Aachen und Limburg (Deutschland, Niederlande und Belgien)
 



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Kohlschreiber

"Die bergrechtlichen Texte des Wurm-Inde-Gebiets kennen eine Vielzahl von Aufsichts- und Kontrollorganen. Ihre Zahl wuchs mit der Erschließung größerer Teufen, vor allem in den Ämtern Wilhelmstein und Eschweiler, aber auch im Land zur Heyden. Eine Entwicklung zur Spezialisierung ist dabei nicht zu verkennen. Die Terminologie ist zweideutig. So konnte ein und dieselbe Funktion mit verschiedenen Begriffen belegt werden. Umgekehrt lassen sich unter einer Amtsbezeichnung verschiedene Funktionen subsumieren. [...] Kohlschreiber und Kohlenmesser hingegen hatten Sorge zu tragen, daß die Ladevorgänge geregelt und ohne Unterschlagung abliefen. [...] 

Im folgenden seien die Bestimmungen aus der Verordnung für den Kohlschreiber Claude Tirsay erläutert. Tirsay war Kohlschreiber des Bergwerks "Prick". Seine Anstellung war Voraussetzung dafür, daß der Abt von Kloosterrade der Gesellschaft die Konzession für das Baufeld erteilte. Wer auf der Grube "Prick" Kohlen laden wollte, wandte sich an einen Meister der Gewerkschaft. Dieser ging mit dem Fuhrmann zum Kohlschreiber, der die Menge an verkauften Kohlen in seine Bücher eintrug. War die Ware bezahlt, dann erhielt der Abholer eine Quittung, welche er dem Meister überreichte. Dieser gab dann den Transport frei. Er mußte die Quittungen sammeln, damit der Kohlschreiber mit ihrer Hilfe seine Buchführung kontrollieren konnte. Hielt sich ein Meister nicht an die Vorschriften, verlor er seinen Anteil an dem Bergwerk. Nur der Kohlschreiber (oder empfänger, wie ihn die Quelle auch nennt) war befugt, das Geld, welches aus dem Verkauf der Kohlen anfiel, entgegenzunehmen und aufzubewahren. Anteilseignern des Bergwerks war dies strengstens verboten. Aus den Erlösen (bzw. aus den Zuschüssen bei Defizit) bezahlte Tirsay die Löhne sämtlicher Bergleute. Die Auszahlungen erfolgten jeden zweiten Tag, da die Gruppe der Arbeiter in zwei Hälften unterteilt war. Diese Aufgabe konnte der Kohlschreiber aber an einen der Meister delegieren. Auch hatte einer der Meister einen Schlüssel für die Gewerkschaftskasse; der Kohlschreiber besaß den zweiten, so daß die Kasse immer nur von beiden gemeinsam geöffnet werden konnte. Wenn der Kohlschreiber alle vierzehn Tage den Meistern Rechenschaft über Einnahmen und Ausgaben ablegte, war es seine Pflicht, der Abtei den ihr gebührenden Erbpfennig abzuziehen. Sein Gehalt, für das die Gewerkschaft aufkommen mußte, nahm sich der Kohlschreiber vierteljährlich aus der Kasse."

 


Zitat aus:

  1. Jörg Wiesemann, Steinkohlenbergbau um Aachen - vom 14. Jahrhundert bis zur napoleonischen Zeit - Fotoexkurs in die Zeit unserer Väter, Aachen 1997 
    (aus der Reihe: Heimatblätter des Kreises Aachen).

Bearbeitungsstand vom: 27.11.2004

 


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