Pfarre Raeren

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Pfarre Raeren

Raeren im Thorey-Geis

Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten


Auszug aus Viktor Gielens Buch:

Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten

erschienen im Markus Verlag Eupen 1967

Die Raerener wählten ihren Pastor selbst und nahmen damit eine fast einzigartige Stellung in der Diözese Lüttich ein.

Fast überall war ein Abt, eine adlige Familie oder der Herr des Ortes der "collator", das heißt der Herr der Kirche. In Eynatten ernannte der Inhaber der Herrschaft den Pastor, in Walhorn war der Propst des Aachener Marienstifts zuständig, dem Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1072 den Königshof Walhorn geschenkt hatte. Der Abt des Klosters Rode war der Patron der Kirchen von Baelen, Eupen und Henr-Chapelle.

In RAeren jedoch war der Einfluß des Bürgerstandes viel stärker als in den andern Gemeinden. Durch die starke Entwicklung des Töpfereigewerbes war hier mehr Geld in den Händen der Einwohner als in den umliegenden Orten. Darum lag seit Mitte des 16. Jh. fast der gesamte Grundbesitz in den Händen der bürgerlichen Familien. Es waren diese Familien und nicht die adligen Familien, die den Ton angaben.

Die Wahl des neuen Pfarrers erfolgte auf der Gemeindeversammlung. Stimmenmehrheit entschied. Nicht immer verlief die Wahl friedlich. Wenn mehrere Parteien sich im Orte bekämpften, ging es auch bei der Wahl des Pastors recht stürmisch zu, weil jede Partei ihren eigenen Kandidaten vorschlug. Natürlich mußte der gewählte Pastor beim Bischof in Lüttich die Genehmigung zur Ausübung seines Amtes einholen.

Napoleon I. hob durch das Gesetz betreffend die Kirchenfabriken vom Jahre 1809 diese Vergünstigung auf. Fortan wurde der Pastor vom Bischof ernannt, was auch mit Rücksicht auf den Frieden in der Gemeinde nur zu begrüßen war.

Vor der Pfarrerhebung im Jahre 1670 fungierten an der Raerener Kirche folgende Geistliche: Christian Voihs (um 1605); - Barth. Buchfink (um 1620); - Heinrich Hochstein (um 1648); - Johannes Schweller (um 1665).

Nach der Pfarrerhebung wählte die Raerener Gemeindeversammlung nacheinander folgende Pfarrer:

Johannes MEYER: 1670

Johannes GRASS, aus Luxemburg gebürtig. Er starb am 10. November 1692.

Peter Jakob GROSSMEYER: 1693-1698. - Er war geboren zu Aachen im Jahre 1665. Ihm verdanken wir ein Einwohnerverzeichnis aus dem Jahre 1693, durch das wir einen interessanten Einblick bekommen in die damalige soziale Struktur unserer Gemeinde.

Aegidius MOMBER: 1698 - 1728. - Er stammte aus dem Nachbardorf Eynatten, wo er vor seiner Ernennung in Raeren als Kaplan tätig gewesen war. Er ist in die Geschichte eingegangen als der Erbauer der heutigen Pfarrkirche und der Anna-Kapelle auf Berg.

Tilmann GANSER: 1728-1778. - Er stammte aus Breinig und war Kaplan in Simmerath. Er sorgte für die Ausstattung und Ausschmückung der von seinem Vorgänger erbauten Kirche und erbaute das heutige Pfarrhaus (1732). Bis dahin hatte der Pastor auf dem der Kirche gehörigen "Colhoff" in der Heck gewohnt. Auch die Sakristei wurde während seiner Amtszeit fertiggestellt.

Johann Anton VINKEN: 1778-1795. - Die von ihm geplante Vergrößerung der Kirche kam wegen des Ausbruchs der Französischen Revolution nicht zustande. Der antichristliche Geist der Revolutionäre bereitete Pfarrer Vinken große Sorgen.

Johannes Georg REUTER: 1795-1805. - Er war schon seit 7 Jahren Kaplan in Raeren. Ohne Zweifel war er hier beliebt, denn von den bei der am 20. Dezember 1795 erfolgten Wahl abgegebenen 367 Stimmen waren 344 für ihn.

Seine Tätigkeit fiel in die schwere Zeit der Französischen Revolution. Am 6. Juni 1796 mußte die Kirche geschlossen werden. Pfarrer Reuter leistete mit seinem Kaplan den Treueid auf die Republik, während die Geistlichen Adeneuer und Arnold Schmetz sich weigerten, die deswegen zur Deportation verurteilt wurden.

Im Jahre 1804 brach in Raeren eine schreckliche Seuche, die Blattern, aus. In wenigen Monaten hatte die Krankheit über 125 Opfer gefordert. Pfarrer Reuter, der den Kranken und Sterbenden beistand, wurde auch angesteckt und starb im blühenden Alter von 44 Jahren am 7. März 1805. Wenige Monate später begrub die Gemeinde den treuen Gehilfen ihres Pastors, den Kaplan Franz Peter Topp. Auch er war ein Opfer seines Berufes geworden. "Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben gibt für die Seinen."


Raeren im Thorey-Geis

(Abkürzungen)

Raeren / Belgien    rk                        Pfarrgründung 1670, Kb ab 1668

vorher zu Walhorn rk

kath. Pfarramt St. Nikolaus, Hauptstr 20, B-4730 Raeren, Tel: 0032-87-851644

KPA= T: 1797-1815;
Brühl= THS: 1779-1793;
Brühl GF= T: 1667-1700; 1710-1796; H: 1693-1709, 1759-1778, S: 1661-1699, 1759-1796; Fb ca. 1693;
Eupen Staatsarchiv= T: 1668-1806; Reg. 1745-1778, 1790-1796; H: 1693-1806, Reg. 1693-1709, 1790-1796; S: 1671-1806, Reg. 1750-1778, 1790-1796; F: 1757
Bragard, Hans= Pfarrer Peter Jacob Großmeyer's Personenstandsaufnahmen, Raeren Juni 1693. Typoskript 1935;
Raeren BA= T: 1668-1806, tlw. Reg.; H= 1693-1709, 1759-1806, Abschrift: 1693-1778; S: 1671-1806; 
Schwartzenberg, Johann Wilhelm= Einwohnerverzeichnis von Raeren und Neudorf (nach Pfr. Peter J. Großmeyer mit eigenen Ergänzungen) in: M WGfF, Bd. 28, 1977, H 1,2,4;
WGfF (Zentralbibliothek)= Bragard, Hans (1935);


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